Via Nocobi: Wasserfallsteig Bad Urach

Tag 2 der diesjährigen Märzwanderwoche am Genfersee zuhause, heute war die Etappe von Lausanne nach Alaman bei Bad Urach an der Reihe. Als Alternative zur Via Jacobi stand der Premiumwanderweg Wasserfallsteig auf dem Programm — natürlich mit dem (im Schwabenland) weltberühmten Uracher Wasserfall. Der war mir noch von einem Schulausflug in Erinnerung; und meine Erinnerung täuschte mich nicht.

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Der Wasserfallsteig ist einer von fünf Premiumwanderwegen bei Bad Urach und wurde 2016 von einem Magazin zum schönsten Wanderweg Deutschlands gewählt. Er hält — im Gegensatz zur gestrigen „Donauwelle“ ohne Donau — was der Name verspricht. Eigentlich hält er sogar mehr, denn er bietet nicht nur einen, sondern zwei Wasserfälle. Weiterer Unterschied zu gestern: Er ist leicht zu finden und lückenlos beschildert, sodass er ohne große Vorbereitung absolviert werden kann. Eigentlich.

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Startposition ist ein riesiger Parkplatz, der erahnen lässt, welche Menschenmassen hier üblicherweise unterwegs zu sein pflegen. Nicht so heute. Bei herrlichem, aber sehr kaltem Sonnenschein huschten wir durchs Tal, doch schnell durften wir uns über die ersten Höhenmeter freuen, die uns etwas aufwärmten. Die Blick hoch zur Burgruine Hohenurach war beeindruckend, doch der eiskalte Wind gönnte uns keine großen Pausen.

 

Langsam arbeiteten wir uns im Wald nach oben, bis Wegweiser und Geräuche das erste Highlight ankündigten: Den Gütensteiner Wasserfall. Sattes Moosgrün mit sonnenweißen Eiszapfen waren ein schöner Kontrast und mir ein Rätsel: Warum floss das Wasser bis in die äußersten Felsspitzen, um dann theatralisch nach unten zu stürzen — und sucht sich nicht wie jeder normale Bach den einfachsten Weg nach unten? Das ist doch völlig unnatürlich…

 

In steilem Zickzack ging es dem fallenden Wasser entlang nach oben, wo ich die Lösung gefunden zu haben glaubte: Vor uns liegt ein kleines Bassin. Und dreht man sich um 180 Grad, sieht man die ins Tal hinausgebauten Felskanäle, mit denen wagemutigen Menschen einen Wasserfall inszeniert haben:

 

Tolle Lösung, aber komplett falsch. Da ist nichts künstlich inszeniert, sondern: „Aus im Wasser mitgeführtem Kalk schuf eine Quelle durch Sinterablagerungen eine rund 25 m breite und 125 m lange Sinterkalkterrasse, die an der Stirnseite die nötige Fallhöhe bot.“ Sagt Wikipedia.

Bei Kälte und Wind hatte Luis wenig Verständnis für meinen Fotostop, deshalb schnell weiter — und wenige Meter später habe ich offensichtlich eine Abzweigung verpennt: Der Wasserfallsteig wäre wohl bergwärts abgebogen, doch ich ließ mich vom leicht nach unten führenden Weg verlocken. Gut so, denn der „richtige“ Weg wäre etwa 3 Kilometer auf der Albhochfläche verlaufen — mit ungebremsten, eisigen Wind, der Luis die Haare aus dem Fell geblasen hätte.

Unsere unfreiwillige Alternative führte bis hinunter ins Tal und um den Runden (!) Berg herum. Wirklich windstill war es hier auch nicht, so sputeten wir zum zweiten wasserfallenden Highlight des Tages. [Okay, hier sputet Luis gerade nicht — aber nur wegen des Fotos….]

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Der Uracher Wasserfall war für mich heute das, was der Englischsprechende als „underwhelming“ bezeichnet: Hat unangemessen viel Aufmerksamkeit, wird zu Tode vermarktet und ist in seiner Plumpheit nicht mit anderen, feineren seiner Gattung zu vergleichen — quasi der Mario Barth unter den Wasserfällen.

 

Oder lag es daran, dass ich den Wasserfall bei einem Schulausflug vor ein paar (harhar) Jahren ebenso „underwhelming“ fand — lange, bevor es dieses Wort und Mario Barth gab…

Achja, es war immer noch sehr windig und sehr kalt. Deshalb verzichtete ich auf einen Aufstieg zur Burgruine Hohenurach, den ich eigentlich noch geplant hatte. Wozu weitere 250 Höhenmeter hoch, damit man sturmumtost vor der Kälte flüchten muss? Im eiligen Eilmarsch erreichten wir unsere mobile Quarantäne-Box, wo Luis sich ins warme Körbchen legen und ich endlich meine Vesper-„Pause“ machen konnte.

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Und die heutige Dosis Swissness? Gab es zuhause. Aber nur für mich ;-):

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Tagesbilanz: 9,6 Kilometer, 410 Höhenmeter, 1 müder Hund

Gesamtbilanz: 19,0 Kilometer, 760 Höhenmeter, 1 sehr müder Hund

 

2 Kommentare zu „Via Nocobi: Wasserfallsteig Bad Urach“

  1. Läuft Luis immer an der Leine, oder darf er auch mal frei herumtollen? Meine Frage dahingehend, wieso ist der nach 10 Kilometer schon müde. Weiterhin alles Gute und bleibt gesund.

    1. Luis „Problem“ ist nicht das Laufen selbst, sondern der fehlende Schlaf. Wer normalerweise geschätzte 23 h/Tag pennt/döst, leidet nach 6 Stunden Wanderung incl. An-/Abreise unter massivem Schlafentzug. 😉

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