Via Jacobi 2021/4: Morges – St. Prex

Gestern schrieb ich: „Der Hund ist für heute platt“ und „Was morgen kommt, hängt davon ab, was heute Nacht kommt“. Was wirklich kam, konnte ich mir da noch nicht vorstellen – noch weniger, wie weit ich kommen würde.

Die starken Regenfälle der Nacht waren nicht zu überhören – blöd, wenn das Hotel komplett mit Blechen verkleidet ist, sodass man jeden Regentropfen einzeln hört… Am Morgen meldeten auch die Augen: Es regnet immer noch.

Deshalb konnte ich mir seeeehr viel Zeit lassen, meine Habseligkeiten zusammenzupacken und per SBB nach Morges zu fahren. Ich hatte Glück: Auf dem kurzen Weg zum Bahnhof schnell und online Tickets für mich und Luis gekauft, zum Bahnsteig gelatscht, in den Zug eingestiegen und schon ging es los.

In Morges dann direkt zur Schiffsanlegestelle, an der wir unseren gestrigen Tag beendet hatten. Und ganz plötzlich kam aus dem Nichts ein Regenschauer, als hätte jemand eine Dusche aufgedreht. Bis ich Regenjacke angezogen und Rucksackhülle montiert hatte, war es fast schon wieder vorbei – hat aber gereicht, um sehr nass zu werden….

Tja, hätte ich den Zug ab Lausanne nicht erwischt und den nächsten nehmen müssen, wäre ich wohl trocken geblieben…

Schon an der Uferpromenade zeigten sich die Folgen der Regennacht: Sehr große Pfützen, die zuweilen kleine Seen waren und den Weg zum Teil unpassierbar machten. Statt Uferpromenade war deshalb „straßenbegleitendes“ Wandern angesagt.

Bald wurde der Weg zum Chemin des truites (= „Forellenweg“). Ein herrlicher Naturpfad direkt am Wasser, der Luis zu einem kurzen Bad im Genfersee inspirierte. (Er war wohl nicht nass genug.)

Doch nicht nur See und Hund waren jetzt sehr nass, sondern auch der Forellenweg. Es hätte mich nicht gewundert, wenn mir tatsächlich zwei fröhlich wandernde Forellen entgegen gekommen wären.

Das „Problem“ hatte sich schnell erledigt, ein dramatisch in die Landschaft drapiertes Schild drohte mit Schießgefahr. Werden hier auf diese Art Forellen erlegt? Ich wollte es nicht herausfinden, sondern folgte der vorbildlich ausgeschilderten Umleitung.

Wenige hundert Meter weiter sollte der Weg einem Flusslauf folgen. Doch ich war verwundert: Hatte da ein Scherzkeks die Wegweiser verdreht? Nein, hatte er nicht – die Passage unter der Straßenbrücke war schlicht überflutet.

In dem Fall also „oben bleiben“, eine Lücke zwischen dem regen Verkehr finden und schnell auf die andere Seite wechseln. Dort stießen wir bald wieder auf den Weg – sehr nett, sehr Natur, sehr imposante Wassermassen.

Eigentlich hatte ich dann die Wahl zwischen Alpen-Panoramaweg und Jakobsweg: Ersterer ein kleiner Umweg (ca. halbe Stunde) aber deutlich attraktiver (Flusstal statt Bahntrasse). Uneigentlich nahm mir dass da die Entscheidung ab:

Nur mit viel Phantasie ahnt man, das man hier durchgehen können sollte. Heute eher nicht.

Folglich folgten wir dem Jakobsweg, der wiederum der Bahnstrecke Lausanne — Genf folgt. Für Eisenbahnfans erfreulich: Es sind sehr viele Züge unterwegs; so eine Taktung sucht man in D lang und vergeblich.

Weniger erfreulich: Nach einem kurzen Boxenstopp meinerseits hatte Luis keine Lust mehr, weiter zu gehen. Einschlägige Überredungs- und Bestechungsversuche waren nur mäßig erfolgreich.

Frei nach Erlkönig erreichten wir St. Prex „mit Müh‘ und Not“, freilich und zum Glück aber verlustfrei. Es war offensichtlich, dass wir heute bis hierher und nicht weiter kommen würden. Also direkt zum Bahnhof, kurz den Selecta-Automat besucht und dann gemütlich im Zug zu unserer Unterkunft in Nyon.

3 Kommentare zu „Via Jacobi 2021/4: Morges – St. Prex“

  1. Sorry für das selbst für uns unübliche Wetter, es ist grad die falsche Zeit um längere Zeit draussen zu sein. Hoffentlich war das nicht unser Sommer. Ich wünsche euch alles Gute bei einen neuen Versuch.

    1. Danke für die tröstenden Worte und kein Grund, sich zu entschuldigen. Ich wollte es ja nicht zu heiß haben und das habe ich bekommen. Mein Fehler, dass mein Wetterwunsch zu unspezifisch war. 😖

      1. Ich glaube dass niemand sich dieses Wetter gewünscht hat. Wenn man die Wucht des Windes (Sturmschäden) und der Wassermassen (Überschwemmungen) betrachtet.

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