Alle Beiträge von Luis B. Perro

Schulzeit

Aus eigener Erkenntnis und Anraten diversen Quellen hielten wir es für angemessen, mit Luis eine Hundeschule zu besuchen. Sich witzig findende Zeitgenossen finden es lustig darauf hinzuweisen, dass dort nicht der Hund, sondern der Hundehalter geschult wird. Ja und? Ist doch klar. Bei einer Software-Schulung wird ja auch nicht die Software, sondern deren Anwender geschult. Auch bei einer Baumschule erwartet niemand, die Bäume würden pädagogisch betreut. Wäre auch ziemlich schwierig – ist es für ein ungezogenes Bäumchen etwa eine Strafe, drei Jahre ruhig in der Ecke stehen zu müssen?*

Nun also: Hundeschule. Aus organisatorischen Gründen fand sich Luis – nicht ganz altersgerecht – in der Welpengruppe einsortiert. Er hatte einen Riesenspaß – und wir stellten uns die Frage, ob in seinem bunt gemischten Stammbaum eventuell auch ein Känguruh Kenguru Känngurru australisches Beuteltier oder Speedy Gonzalez vertreten ist.

Auch die Hundebesitzer hatten ihren Spaß: Durch lautes Rufen und Winken mit Leckerchen konnte jeder einen Hund zu sich locken. Meist zwar nicht der eigene, aber es hätte zumindest jeder irgendeinen Vierbeiner mit nach Hause nehmen können ;-).

Am Ende fand doch wieder jeder Vier- seine Zweibeiner (und/oder umgekehrt), Luis den selbständigen Weg ins Luismobil und der anstrengende Tag ein müdes Ende. Denn nicht für die Schule, sondern für’s Leben lernen wir…

* Ein Bodenseeanrainer möge mir verzeihen, dass ich meinen an ihn ge-e-mailten Gedankengang hier der Zweitverwertung und Öffentlichkeit zugänglich mache. Zu meiner Verteidigung führe ich an, dass ich mich lediglich des Autoplagiats schuldig mache. Sollte ich einen Debütroman des Titels  „Im Straßenverkehr tödlich verunglückter Lurch“ unter dem Pseudonym Hubert Hundemann veröffentlichen und dabei wesentliche Teile unverändert aus diesem Blog und/oder der genannten E-Mail verwenden, versichere ich hiermit, mich als Quelle zu nennen und die Genehmigung zur Verwendung – zumindest nachträglich – von mir zu erlangen.

Zweitbett, Kofferraumentern und Baumarkt

Der Trend geht zum Zweitbett – und Luis nebst Anhang genau deshalb in ein einschlägiges Hundezubehöreinzelhandelsfachgeschäft. Nach ausgiebiger Beratung und Probesitzen wurde es Teilen der Einkaufsschar etwas langweilig. Da war es willkommende Abwechslung, sich mit einem zunächst freundlichen, dann verwunderten Artgenossen akustisch anzulegen. Mein Versuch, die Situation durch eine Positionsänderung zu beruhigen (im wahrsten Sinn des Wortes), war gut. Bzw. wäre gut gewesen, wenn die Positionsänderung nicht exakt in die Regalreihe mit dem Hundefutterkomponentenselbstmischbüffet geführt hatte.

Anschließend folgte „der Form halber“ mal wieder ein Versuch, Luis davon zu überzeugen, selbständig das Heck des Luismobil zu erklimmen. Luis: Desinteressiert. Anderer Hund: Bellend. Luis: Abgelenkt. Ich: „So wird das eh nix“. Luis: Hüpft hinein.

Zum Abschluss führte der Weg ins Männerparadies (vulgo: Baumarkt), um den designierten Aufenthaltsraum zu luisifizieren. Der zunächst freundliche, dann verwunderte Mitarbeiter stand mit Rat und Tat zur Seite, um unser „Projekt“ verwirklichen zu können. Die abendliche Bastelarbeit musste zwar aufgrund einer Inkompatibilität von Schrauben und Schraubwerkzeug unterbrochen werden, fand aber am Folgetag ein erfolgreiches Ende.

Wenn wir mal länger als 20 Sekunden kein Auge auf Luis werden können, kann er jetzt beliebig lang in „seinem“ Zimmer spielen und sich beschäftigen. Sagen wir: er könnte, wenn er würde…

Winter über Tieringen

Die erste Luis-Woche ist vorüber, die ersten „Routinen“ entstehen: Die morgendliche Samstaggassirunde führte auch diesmal wieder über den Wochenmarkt und zum einzigen lokalen Bäcker, der noch selbst, richtig und gut bäckt. Nach dem „üblichen“ kurzen Stopp beim Nudelmacherinnenverkaufswagen hatte uns dann der Käsewagen wieder. Wir (und vermutlich auch Luis) hatten den Eindruck, dass dieser zweite Wochenmarktbesuch schon deutlich normaler und unspektakulärer war als der erste. Wenn sich das so weiter entwickelt, kann Luis bald alleine einkaufen gehen 😉

Bislang noch nicht Routine war die nachmittägliche Gassirunde, zu der wir erstmals gefahren sind. Der Weg war nicht weit (es ging eher ums Prinzip als um die Entfernung) und führte uns auf die Albhochfläche bei Tieringen. Die Landschaft dort oben ist zu jeder Jahreszeit ein Genuss – und bietet gerade jetzt besonders schöne Bilder.

Dort nahmen die Zweibeiner mit einem bequemen, geräumten Weg Vorlieb,  während Luis mit 4-Paw-Drive den üppigen Schnee bevorzugte. Dabei zeigte Luis eine große Neugier für Wintersport (bzw. deren Ausübende), übte sich in der noch nicht olympischen Disziplin des Rückenrodelns, bewarb sich erneut um einen Job als Trüffelsucher und kreierte die neue Ballettfigur „Schneemännchen“.

Die Strecke war messtechnisch kurz, aber kräftezehrend (vor allem für diejenigen, die alles zehnmal durch den Tiefschnee laufen).

Die Abendrunde war qualitativ ähnlich und führten in ein Gartengrundstücksgebiet, in dem der Autor in seiner frühen Kindheit öfters zu Besuch war. X Jahre später, im Dunkeln und mit Hund sieht das doch alles ganz anders aus, sodass Autor, Hund und GPS gefühlte 500 Meter im Tiefschnee grundlos, aber mit viel Spaß zurücklegen durften.

LGTD + 8 = 77 km

Schnee & Flocke

Ausgiebige Schneefälle sorgen zwar für Verdruss bei Autofahrern und Streufahrzeugführern, die enttäuscht in ihr leeres Streusalzlager schauen — Luis hingegen ist begeistert. Er schnuppert mit großem Ehrgeiz jeder Spur hinterher (auch seiner und/oder meiner) und bohrt die Schnauze so engagiert in den Schnee, dass wir bereits über einen (Neben-?) Job als Trüffelsucher nachdenken. Luis‘ Einsatzgebiet läge dann im schönen Piemont und würde uns einen dort anzusiedelnden Zweitwohnsitz finanzieren…

Einstweilen bleiben wir aber gedanklich und körperlich im Schnee stecken. Luis Schneebegeisterung wurde von einem Treffen mit Flocke gekrönt. Flocke ist hier keine Schneeflocke, sondern eine Welpin ein junger weiblicher Welpe, dessen „Auftauchen“ und Existenz bereits in Vor-Luis-Zeiten beschäftigt und begleitet hat. Nun also das (eigentlich zweite), nicht ganz zufällige Zusammentreffen.

Während Flocke ihre kindliche Energie in überschwänglichen Begrüßungsbalgereien überleitete, gab Luis eher den kühlen, arroganten Pubertierenden. Naja – nach etlichen Minuten war Luis dann doch nicht mehr ganz so „cool“ und ließ sich auf wilde Jagdszenen ein. Deren Intensität lässt sich auf dem GPS-Log nur erahnen, zumal damit nur die Bewegungen den zweibeinigen Leinenendes festgehalten wurden. Nicht auszudenken, Luis‘ Haken und Ösen wären aufgezeichnet worden! Vermutlich hätte das GPS-System* einen kurzen Neustart durchgeführt, weil die Plausibilitätkontrolle** bei diesen Koordinatenhüpfern Alarm geschlagen hätte.

Zum Abschluss fand ich es hilfreich einer Generation zu entstammen, die Makramee noch aus persönlichem Erleben kennt. Anders hätten wir die Hundeleinen nie wieder auseinandergetüftelt bekommen. Während Luis wieder betont cool nach Hause trabte, fiepte es flockeseitig noch längere Zeit zum Abschied.

¡Hasta pronto, chica!

LGTD + 8 km = 69 km

* Jaja, ich weiß, dass GPS-System wie ABS-System, ABM-Maßnahme, FTP-Protokoll sprachlicher Unfug ist. Ja, ich weiß, dass das Schlauberger als  redundantes Akronym bezeichnen würden. Falls jemand eine bessere Formulierung für den obigen Satz findet, möge ihn mir zusenden – falls nicht, solle er/sie schweigen.

** Auch hier muss ich Schlauberger enttäuschen: Jaja, wir wissen***, dass das GPS-System keine Positionsbestimmungen von Empfangsgeräten empfangen, auswerten und auf Plausibiltät prüfen kann. Aber es rundet den Satz so gut ab.

*** Wissen wir das wirklich? 😉

Mittagspausencaching

Heute war Extremmittagspausing angesagt und wurde genutzt, die samstägliche LDNF-Schmach zu tilgen. Nach vorbildlicher Schnell-Maintenance durch die Owner gelang es uns trotz heftigem Schneetreiben tatsächlich, gleich zwei Caches zu finden.

50% der Beteiligten (und 67% der beteiligten Füße) engagierten sich eher passiv bei der Suche. Allerdings eignet sich Luis hervorragend als Suchtarnung, was besonders bei Caches in urbaner Umgebung eine große Hilfe ist: Menschen, die betont unauffällig um Stadtmöblierung herumturnen, fallen auf und machen sich verdächtig. Menschen, die betont auffällig mit Hunden herumturnen, fallen zwar auch auf, sorgen aber höchstens für Erheiterung.

LGTD +9 = 61 km

    Shopping und Zaubertricks

    Neuer Tag, neue Überraschungen: Mit Luis und Luismobil begaben wir uns zum Shopping, um das Luismobl Luis-tauglich auszustatten. Bei Verlassen des Fahrzeugs: Luis im „Kofferraum“. Fünf Minuten später: Luis auf dem Rücksitz. Wie er da hin gekommen ist, wird sein Geheimnis bleiben (ein Zauberer verrät keine Tricks). Sein unschuldiger Ich-hab-nichts-gemacht-Blick konnte nicht über sein offensichtlich schlechtes Gewissen hinwegtäuschen.

    Sonst blieb von diesem Shoppingversuch nur die Erkenntnis

    • dass das Produkthaftungsgesetz nach wie vor ein Papiertiger ist
    • der Dilettantismus im Gebrauchsanleitungsschreibgewerbe nach wie vor verbreitet ist
    • wir statt dem Zoofachgeschäft besser den gegenüberliegenden Autohändler besucht hätten

    Der zweite Zaubertrick lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben – wer es nicht live erlebt hat, wird den Show-Effekt nur erahnen können. Trotzdem wollen wir versuchen, es zu beschreiben:

    1. Der Assistent platziert den Magier in Raum A.
    2. Der Assistent geht durch eine Schiebetür in Raum B und schließt die Schiebetür.
    3. Der Assistent geht weiter in Raum C, füllt dort einen Behälter mit Essbarem, kehrt zurück in Raum B und wundert sich über die halb geöffnete Schiebetür.
    4. Der Assistent stellt fest, dass der Magier aus Raum A verschwunden ist. Er ist verwirrt: Alle Wege nach draußen waren und sind verschlossen, trotzdem ist der Magier spurlos entfleucht. Leichte Panik steigt auf.
    5. Hektisch macht der Assistent wieder alle Lichter an und beginnt zu suchen…
    6. … und entdeckt – tatatataaaaaa – den großen Magier in Raum C, schmatzend an einer großen Tüte Hundefutter.

    Beeindruckt und verwundert fragt sich das Publikum auch diesmal, wie er da hin gekommen ist. Ein Zauberer verrät keine Tricks…

    LGTD: +9 = 52 km

    Gesellschaftliches und Administratives

    Dienstag war große Kennenlernrunde angesagt. Es begann mit der gegenüberliegenden Wohnung, die Luis ausgiebig und begeistert erkundete. Anschließend folgte ein langer Spaziergang mit begeistertem Besuch aus Pliezhausen.

    Seine Bürgerpflicht erfüllte Luis ebenfalls und meldete sich offiziell bei der hiesigen Stadtverwaltung an. Nun ist er also offizieller Steuerzahler. Genaugenommen eher Steuerpflichtiger, da es Luis sehr geschickt vermied, eine Kontonummer zur Abbuchung zu nennen. Der Herr lässt zahlen… Trotzdem wird er bald eine schicke Steuermarke bekommen.

    Ich hielte es für angebracht, auch dem zweibeinigen, ehrlichen Steuerzahler einen Orden/Märkchen um den Hals zu hängen, um ihn als Finanzier gesellschaftlicher Aufgaben zu kennzeichnen und zu ehren. Inhaber eidgenössicher Nummernkonten wären dann zu verpflichten, rote CDs mit Schweizerkreuz spazieren zu führen…

    Zu guter Letzt wurde die Abendgassirunde bei den Nachbarn beendet. Da traf es sich günstig, dass dort eine Stapel Produktproben eines Hundeleckerliherstellers angeliefert worden war. Luis wäre ein sehr erfolgreicher Drogenspürhund, wenn Hundeleckerlis unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würden. Es sah auf jeden Fall sehr professionell aus…

    LGTD: +12 = 43 km