Alpenüberquerung 2: Wildbad Kreuth — Achensee


Die zweite Etappe war als konditionell anspruchsvollster Tag der ganzen Woche angekündigt. Das war nicht zu viel versprochen: 800 Höhenmeter, die es in sich hatten — hoch und wieder runter.

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Ein Bustransfer sollte uns an den Start des heutigen Tages chauffieren und wir rätselten: Ob es wohl sechs oder gar acht Wanderer sein würden? Unsere Schätzungen lagen meilenweit daneben: Ein ausgewachsener Reisebus war beinahe voll mit hochmotivierten Alpenüberquerern. Den besten Platz im ganzen Bus hatte unser vierbeiniger Mitwanderer, der sich als sehr interessierter Beifahrer präsentierte (zur Gaudi der Mitfahrer und nach ausdrücklicher Aufforderung des Chauffeurs!).

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20 Minuten später leerte der Bus dann geschätzte 30 bis 50 Wanderer auf den Parkplatz, an dem wir unsere gestrigen Tour in einem famosen Endspurt abgeschlossen hatten. Die Wanderschar reihte sich zum einem Lindwurm auf, der sich auf einem schmalen, stetig ansteigenden Waldweg ganz langsam in seine Einzelteile auflöste.

Bald wurden die Bäume weniger und gaben einen Blick auf die beeindruckene Höhe frei, die wir uns inzwischen „erarbeitet“ hatten. Begleitet von Kuhglockengebimmel gewannen wir immer mehr an Höhe, doch der Aufstieg schien kein Ende zu nehmen.

Im oberen Teil hatte sich nach dem Lindwurm auch der Weg in seine Bestandteile aufgelöst: Während Luis mit seinem bewährten Vier-Pfoten-Antrieb mit einer provizierenden Leichtigkeit über Geröll und an Steinklötzen hinauf hüpfte, mühte sich unsereins Schritt für Schritt und Steinbrocken für Steinbrocken hinauf. Wahrlich kein Spaziergang und die Höhenmeter waren unser kleinstes Problem…

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Wir hätten es nicht für möglich gehalten, aber irgendwann waren wir doch oben und genossen die großartige Aussicht: Hinter uns lag Bayern, vor uns zeigte sich tief unten der Achensee. Luis genoss vor allem die Pause: Während wir begeistert in die Landschaft glotzten, legte er sich erst mal entspannt zur Ruhe…

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Zu Luis‘ Entsetzen währte die Ruhe nur kurz. Der Weg bis zur Blaubergalm sah auf der Karte „eigentlich“ ziemlich flach und einfach aus, in der Realität forderten etliche Anstiege, Riesenstufen und Matschpassagen unsere vorletzten Reserven. Immerhin hatten wir auf unserem Weg zur Alm einen Meilenstein der Alpenüberquerung passiert: Wir waren jetzt in Österreich!

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Auf der Blaubergalm setzten sich die Lindwurmeinzelteile wieder zu einem Ganzen zusammen: Die Alpenüberquerer trudelten nach und nach und bildeten eine  neue Menschenkette — diesmal an der Theke.

Hundehalber nahmen wir draußen Platz; bei etwas frischen Temperaturen war die Käseplatte schnell „erledigt“ und machten uns zügig auf den weiteren Weg.

Der  Weg ging gemäßigt, aber sehr lange bergab — 800 Höhenmeter wollten wieder abgearbeitet werden. Und eigentlich war der Weg kein Weg, sondern eine breite Zufahrt zur Alm. Das war zwar nicht sehr naturnah und idyllisch — aber nach der Aufstiegsstrapaze waren wir dankbar für den einfachen und komfortablen Abstieg.

Und ein guter Schluss ziert alles: Auf den letzten Kilometer verengt sich das Tal zu einer Beinahe-Klamm und begeistert den aufmerksamen Wanderer durch künstlerisch wertvolle Felsformationen.

Nicht ganz so gelungen fand Luis das Ende des Wandertages: Erst ein kurzbeiniger Doppelgänger, dann von aufdringlichen Eseln verfolgt, schließlich — von x Mitwanderern beobachtet — ein entwürdigender Maulkorb (im österreichischen ÖPNV vorgeschrieben und rigoros durchgesetzt). Da hatte das Busfahren am Morgen doch viel mehr Spaß gemacht.

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Alternativ zu Maulkorb und Bus hätte Luis noch etwa 10 Kilometer bis Achenkirch gehen müssen. Das war nun auch nicht nach seinem Geschmack, sodass er sich bald resigniert dem Busfahrdösen (mit Maulkorb) hingab.

Und hier noch das letzte Bild des Tages, das mit Luis überhaupt nichts zu tun hat. Der lag zum Zeitpunkt der Aufnahme nämlich tief schlafend in seinem Korb.

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Zahlen, Daten, Fakten

Tagesbilanz: 17,6 Kilometer, 919 Höhenmeter, 6,2 Stunden

Insgesamt: 53,5 Kilometer, 1481 Höhenmeter, 17,5 Stunden

 

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