Schwarzwald-Querweg 2.0: Liggeringen — Konstanz


Der dritte und letzte Tag; noch gute 20 Kilometer lagen zwischen uns und dem Ziel Konstanz. Würden wir das Ziel auf dem Querweg erreichen? Mehr oder weniger — das ist letztendlich eine Frage der Definition.

Der Tag begann viel versprechend mit einem sehr reichhaltigen Frühstück und einem netten Plausch mit den Wirtsleuten des Landgasthofs Adler, den wir guten Gewissens weiterempfehlen können. Vor der Tür ging es gut weiter: Es war knackig kalt, aber trocken. Angeblich soll es nachts sogar geschneit haben, davon war aber nichts mehr zu sehen.

Unser erstes Ziel hieß Langenrain. Dort würden wir wieder auf den offiziellen Schwarzwald-Querweg treffen, den wir am Vortag mangels Übernachtungsmöglichkeit verlassen mussten. [Gut so, sonst hätten wir den Liggeringer Adler und das Abendessen in der Wirtschaft zum Kranz verpasst.] Der Einfachheit halber wählten wir den Radweg parallel der L220 — und wunderten und freuten uns immer wieder an dem wärmenden Feuerball am Himmel, den die Älteren unter uns als „Sonne“ kennen…

In Langenrein verlangte einer der acht mitwandernden Füße dringend nach einer Apotheke — doch leider vergebens. Die nächstgelegene sei in Dettingen, so erzählte uns ein freundlicher Anwohner, und schickte uns mit besten Wünschen auf die nächsten 4 Kilometer. Dort wurden wir tatsächlich fündig; anschließend nutzten wir den nahegelegenen Landgasthof Kreuz, um uns mit Kaffee und Voltaren auf das nächste Teilstück nach Litzelstetten vorzubereiten.

 

Wir waren immer noch abseits des offiziellen Querwegs, deshalb ließen wir uns den Weg von der hilfsbereiten Landgasthofschefin beschreiben: „Dort hinten rechts herum, am Kreisverkehr links, dann dem Radweg entlang, an der Gabelung den oberen linken Weg, dann links und gleich wieder rechts, dann wieder rechts, dann die dritte“ usw. usf.

Ich gebe zu: Nach der dritten Rechts-Links-Kombination war die Kapazität meines Kurzzeitgedächtnisses erschöpft, doch: Wer’s nicht im Köpfchen hat, muss es im Garmin haben… Garmin sei dank fanden wir fehlerfrei durch das » Dingelsdorfer Ried — eine angenehme und naturnahe Abwechslung mit einer einzigen, aber perfekt platzierten Rastbank.

Hier irgendwo hatten wir dann auch wieder den Querweg „aufgelesen“, der uns zum Aussichtspunkt Purren leiten sollte. Diesen erreichten wir erfreulich eben; auf gemütlichen Relax-Liegen konnten wir den Blick weit über den Bodensee schweifen lassen.

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Doch wir schwifften kurz, denn ein Achtel der Querwegwanderfüße zwang ein Drittel der Wandergruppe, in Litzelstetten den Segnungen des ÖPNV zu vertrauen — deshalb schnell zur Bushaltestelle in der Ortsmitte. Ziel erreicht? Meiner Meinung nach ja: Litzelstetten ist ein Ortsteil von Konstanz, ergo haben wir Ziel erreicht! Zu Fuß! Von Freiburg aus! Quer durch den Schwarzwald!

Nach kurzem Abschiedsschmerz (im wahrsten Sinn des Wortes) wollte ich Luis  noch weiter. Statt wieder zum Purren hinaufzukeuchen, wählte ich den seenahen Premiumwanderweg Seegang bis zur Insel Mainau, dann hinauf und hinein in den Erlebniswald Mainau. Ein alter Bekannter: Das war genau der Waldweg, den ich letztes Jahr auf der Extrem-Gassitour Balingen — Konstanz 2016 begangen hatte.

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Ironie des Wanderschicksals:

  • Letztes Jahr hetzte ich August (!) bei ergiebigem Dauerregen nass und nölend von Wallhausen nach Konstanz.
  • Jetzt im November freute ich mich trockenen Fußes über das passable Wanderwetter.

Wie letztes Jahr: Vorbei am geschlossenen Biergarten St. Katharina, an der Uni entlang, dann durch ein letztes Stück Wald, bis an den Ortsrand von Konstanz. Ab hier, daran erinnerte ich mich, folgt eine lange und langweilige „urbane“ Passage an einer Hauptverkehrsstraße — nichts, was ich Luis mir nochmal zumuten wollte.

Folglich verließ ich einmal mehr den offiziellen Querweg und wählte stattdessen ein überraschend grüne Alternative — über Wiesen und Wald (mitten in der Stadt!) ans  Bodensseufer gegenüber von Konzil, Imperia und Steigenberger. Herrlich ruhig, herrlich entspannt, herrlicher Anblick — genau die richtige Location, um Ruhe, Entspannung und Anblick auf sich wirken zu lassen.

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Auf der Seepromenade steuerten wir auf die Rheinbrücke zu. Dort erwartete uns der bekannt-spektakuläre Seeblick — und die beruhigende Nachricht, dass das eine Drittel der Wandergruppe wohlbehalten zuhause gelandet sei. Ich befand mich derweil im Landeanflug auf den Bahnhof Konstanz und winkte nur von Weitem zur Imperia hinüber.

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Und nach 26 ½ Kilometern am letzten Tag war ich froh, in den gemütlichen Ledersitzen des Zuges nach Singen versinken zu können. Luis hingegen freute sich über den neuesten Service der SBB: Fressen auf Rädern

Haben wir das Ziel auf dem Querweg erreicht?

  • Alle drei Beteiligten sind erfolgreich in der Stadt Konstanz angekommen. Ortsteil hin oder her — Konstanz ist Konstanz.
  • Die letzten Meter waren wir definitiv auf dem Querweg unterwegs. Und wer den Querweg geht, darf bei der Streckenwahl auch mal quer denken.

Ergo: Ja, wir haben!

 

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