Ba[h]lingen-Tour IV: Flößerpfad Alpirsbach — Wolfach


Für Etappe 4 unserer Ba[h]lingen-Tour von Alpirsbach nach Wolfach war eigentlichmuh der anspruchsvolle Kinzigtäler Jakobsweg geplant. Aber: In www.wetter.com war das virtuelle Wetter deutlich besser als im realen www.kinzigtal.com, weshalb wir uns spontan für den kürzeren und einfacheren www.floesserpfad.de entschieden.

Am Ziel stellten wir fest: Eine gute Entscheidung! Und waren schlauer angekommen als in Alpirsbach gestartet. Und was den Jakobsweg betrifft: Am Ende haben wir doch noch einen kleinen Jakobs-Schlenker eingelegt. Für den Rest gilt, „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“.

Gestörfloß -- ungestört vom Flößerpfad
Gestörfloß — ungestört vom Flößerpfad

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Bilder, Highlights, Zahlen, Daten, Fakten am Ende dieses Artikels.

Info Flößerpfad Kinzigtal: Der Flößerpfad ist ein „multimedialer“ Wanderweg von Loßburg nach Wolfach, der sich — wer hätte es gedacht — mit der Flößerei auf der Kinzig beschäftigt. Nett gemacht mit launigen Info-Tafeln (einschließlich QR-Codes), Flößer-Geocaching, GPX-Tracks/Karten/Audio-Guide zum Herunterladen, „Flößerteller“ in Gaststätten usw. usf. Was uns (mich) beeindruckt hat: Über die Mühen der Flößerei zu lesen, ist ja ganz interessant. Aber: Erst wenn man die entsprechenden Flussabschnitte gleichzeitig sieht, versteht man wirklich, was man gelesen hat.

Alpirsbach — Schenkenzell

Kinzig im Korsett, Flößerpfad neben Bundesstraße
Kinzig im Korsett, Flößerpfad neben Bundesstraße

In Alpirsbach startete ich als Flößer-mäßig Unwissender. Nur so lässt sich meine Verwunderung erklären, dass der Flößerpfad nicht an der Kinzig entlang startete, sondern in sehr „urbaner Umgebung“ und an der Bahnlinie entlang führte. Als wir dann auf die Kinzig stießen, fanden wir sie eingezwängt in ein Betonkorsett und wir uns auf dem Bürgersteig einer stark befahrenen Bundesstraße*. Nicht ganz meine Vorstellung von einer idyllischen Schwarzwaldwanderung.

* Möglicherweise eine geschichtsphilosophische Anspielung der Wegeplaner, die den Wandel der Transportwege im Zeitlauf der Jahrhunderte symbolisiert: Früher Wasser, später Bahnstrecke, heute Straße.

Doch ab Rötenbach wurde besser — sehr viel besser: Trotz des teilweise engen Tals verließen wir Straße und Bahnlinie, um in entspannter Viertel- bis Halbhöhenlage durch den Wald zu wandern. So hatte ich mir den Weg durch den Schwarzwald vorgestellt: Einsame Wege, hier ein Hof, da ein Hof, ganz viele Bäume, plätscherndes Wasser…

Naturdenkmal an der Kinzig
Naturdenkmal an der Kinzig

Schenkenzell: Drei Überraschungen

In Schenkenzell führt der Flößerpfad über ein Wehr. Das war noch nicht die Überraschung, sondern völlig logisch: Wehre und kleine „Staustufen“ spielten eine wichtige Rolle bei der Flößerei (wie ich — durch die Infotafeln aufgeschlaut — mittlerweile weiß).

Luis: Nicht erbost trotz Gitterrost
Luis: Nicht erbost trotz Gitterrost

Überraschung eins: Der Weg über’s Wasser führte über einen Gitterrost, Erinnerungen an den Neckarweg wurden wach. Ich wappnete mich fürs Hunde-Tragen — zum Glück nur ein paar Meter und nicht 150 wie damals über die Staustufe Rockenau.

Überraschung zwei: Luis machte keine Anstalten, vom Gitterrost beeindruckt zu sein. Heldenhaft stapfte er über das tosende Wasser unter seinen Pfoten. Erst kurz vor dem Ende des Wehrs fiel ihm ein, dass das/er „gar nicht gehen könne“ — aber da war es zu spät und die letzten Meter schnell ans rettende Ufer gehüpft.

... selbst Luis ist beeindruckt
… selbst Luis ist beeindruckt

Überraschung drei: In Schenkenzell gibt es Schaufloß, das das Thema des Flößerpfades sehr schön und plastisch zeigt. Deshalb führt der Flößerpfad hier nicht vorbei.* Kein Schreibfehler!

* Nicht zum ersten Mal: Subventionierte Themenwege und zertifizierte Qualitätswege müssen subventions- und zertifizierungsrelevanten Kriterien folgen und weichen zuweilen grotesk von der logischen Streckenführung ab. Wie Websites, die aus SEO-Gründen den menschlichen Besucher völlig ignorieren.

Parkplatznot macht erfinderisch
Parkplatznot macht erfinderisch

Der kurze Abstecher weg vom Flößerpfad zum Schaufloß lohnt sich unbedingt, zumal hier noch ein schöner Park zur Rast einlädt. Selbst Luis war beeindruckt.

Zurück auf dem Flößerpfad, führte uns dieser am Bahnhof vorbei, durch ein weiteres Industriegebiet und aus Schenkenzell hinaus. Immerhin konnten wir hier einen ungewöhnlich geparktes Zugfahrzeug bestaunen.

 Ruine Schenkenburg

Schenkenburg-Panorama
Schenkenburg-Panorama
Schenkenburg-Burghund
Schenkenburg-Burghund

Kurz nach Schenkenzell und kurz vor 12:00 Uhr erreichen wir die Ruine Schenkenburg (die knapp 500 Jahren nach ihrer Zerstörung immer noch eine eigene Website hat).

Imposante Lage, beeindruckende Erscheinung, kurz vor Mittag, leichtes Hungergefühl und kurzzeitig freundliches Wetter: Wir hatten keine andere Wahl, als hier Pause zu machen. Lustigerweise erinnerte mich die heute Etappe zum zweiten Mal an den Neckarweg: Die Burg Stolzeneck war zwar ganz anders, aber doch eine ähnlich perfekte Vesperlocation. Nur war das Wetter damals deutlich besser.

Schiltach-Extratour: Altstadt, Gestörfloß und Roter Brummer

Es klappert die Schüttermühle am rauschenden Bach
Es klappert die Schüttermühle am rauschenden Bach

Schiltach hat eine sehr schöne, sehr attraktive Altstadt, die der Flößerpfad (im wahrsten Sinn) links liegen lässt. Grund genug, den Flößerpfad rechts liegen zu lassen und über die Kinzig ins Zentrum zu wechseln. Gut so, denn sonst hätten wir Renaissance-Rathaus, Marktplatz, Fachwerkhäuer, Gerberviertel und die klappernde Mühle des Schüttesägemuseums am rauschenden Bach verpasst.

Abschluss der Extratour war ein beeindruckend großes Gestörfloß, das witzigerweise direkt neben einem Parkhaus „geparkt“ wird, wenn es nicht im Einsatz ist (z.B. hier). Die Schenkenzeller Überraschung wird hier konsequent fortgesetzt: Warum sollte man einen Flößerpfad an einem beeindruckenden Riesenfloß vorbeiführen?

Auf dem Flößerpfad zurück erinnert der Bahnpunkt Schiltach und der Rote Brummer an die ehemalige Bahnstrecke von Schiltach nach Schramberg.

Ein Roter Brummer am Bahnpunkt Schiltach
Ein Roter Brummer am Bahnpunkt Schiltach

Schiltach — Halbmeil — kurz vor Wolfach

Kinzigtaler Kirschblüte
Kinzigtaler Kirschblüte

Nach Schiltach wurde das Wetter heller, das Tal weiter und die Wiesen (gefühlt) grüner. Wir kamen gut vorwärts und hatten dadurch Muße für die Kleinigkeiten am Wegesrand: Blühende Frühlingswiesen, eine äußerst originelle Wegführung kurz vor Halbmeil, merkwürdige Schilder, schilderfressende Bäume.

Literarische Wegzehrung
Literarische Wegzehrung

Für Freude sorgten literarische Kleinode am Wegesrand, allerdings hätte ich ein alternatives Thema vorzuschlagen:

Der Hund Der Hund döst hier, der Hund döst da. Warum auch nicht — Zeit hat er ja!

Beschwingt, flotten Fußes und flotter Pfoten näherten wir uns dem Tagesziel Wolfach. Eine grobe Schätzung unserer Ankunftszeit am Bahnhof ergab zwei Möglichkeiten:

  1. Hetzen, um den nächsten Zug zu erreichen.
  2. Fast eine Stunde am Bahnhof herumlungern, um auf den übernächsten Zug zu warten.

Wir wollten weder das eine noch das andere. (Ich hatte zumindest starkten Grund zur Annahme, dass auch Luis weder hetzen noch herumlungern wollte.) Deshalb entschieden wir uns (bzw. ich mich) spontan für die dritte Variante, nämlich:

Extratour Jakobskapelle Wolfach

Die Jakobskapelle liegt nicht am Flößerpfad, sondern abseits dessen auf halber Hanghöhe auf jenem Jakobsweg*, der heute eigentlichmuh nicht unser Thema war.

* Ein weiterer Unterschied von Flößerpfad und Jakobsweg: Während der Flößerpfad konsequent alle Floße umgeht, bindet der Jakobsweg alle Jakobskapellen ein. Wahrscheinlich wählten die Pilger ihre Wege nicht nach einer komplexen Wegstreckenoptimierungskriterienmatrix, sondern intuitiv schön und gut.

Info Kinzigtäler Jakobsweg: Der Kinzigtäler Jakobsweg ist Teil des Jakobswegs von Rottenburg am Neckar an die Burgundische Pforte. Der Abschnitt von Alpirsbach nach Schenkenzell verläuft ähnlich wie der Flößerpfad. Dann allerdings verlässt der Jakobsweg den Kinziglauf, um via Kloster Wittichen und St. Roman den Höhenrücken zwischen Kleiner Kinzig und Wolf (nicht Luis‘ Vorfahr, sondern Flüsschen) zu überwinden. Danach kehrt er ins Kinzigtal zurück, um kurz vor Wolfach zur Jakobskapelle aufzusteigen. Vorteil: Anspruchsvoller und landschaftlich reizvoller als der Flößerpfad. Nachteil: Unterwegs ist ÖPNV Fehlanzeige, d.h. Durchhalten bis Wolfach.
Jakobskapelle Wolfach
Jakobskapelle Wolfach

Durch diesen Extraschlenker konnten wir es gemütlich angehen und die Zeit bis zum übernächsten Zug sinnvoll füllen. Außerdem: Falls wir irgendwann doch den (anstrengenden) Kinzigtäler Jakobsweg  in Angriff nähmen, könnten wir uns dann diesen (anstrengenden) Abschluss ersparen, weil wir dann schon oben gewesen sein würden.

Statt Konjunktiven waren aber erst mal Höhenmeter angesagt. Als Belohnung wartete eine schöne Kapelle mit Aussicht und eine freundliche Schwester, die uns den richtigen Weg wies. Und freundlich mitteilte: „Des Hundle geht aber nicht mit in die Kapelle.“ Klar, logisch! Aber offensichtlich nicht für alle Hundehalter, sonst müsste es nicht extra erwähnt werden. Tststs….

Jakobskapelle Wolfach
Jakobskapelle Wolfach
Langeweile macht albern
Langeweile macht albern

So teilten wir uns auf: Ich bestaunte interessiert das Innere der Kapelle, Luis ignorierte draußen die Aussicht. Nachdem wir genug bestaunt und ignoriert hatten, folgten wir einem kleinen Waldweg nach Wolfach.

Das Timing war perfekt: Gemütlich durchquerten wir die Stadt, freuten uns, dass es erst jetzt zu regnen begann, schlenderten am Schloss entlang, tankten Italo-Feeling an einer Agip-Station und kamen gerade rechtzeitig, um den Zug nach Alpirsbach zu nehmen.

Schloss Wolfach
Schloss Wolfach

Zugabe: Alpirsbach

Am Ende unserer vorigen Etappe wurde es in Alpirsbach ziemlich hektisch. Deshalb nahm ich mir diesmal die Zeit für einen ausgiebigen Besuch im „Brau-Laden“, indem es außer Bier auch viele andere „artverwandte“ Produkte gibt (Bierwurst, Biersenf, Malzlikör usw. usf.). Sehr gut!

Café am Kloster Alpirsbach: Schwarwälder Kirschtorte
Café am Kloster Alpirsbach: Schwarwälder Kirschtorte als Referenz für BFC-eq

Und noch besser: Auf dem Weg zurück zum Auto lockte mich eine akute Unterzuckerung und Unterschokoladierung ins benachbarte „Café am Kloster“. Dort wurde ich schnell therapiert: Eine sensationell hoch aufgetürmte Schwarzwälder Kirschtorte wurde offizielle Referenzeinheit für die SI-Einheit BFC-eq (Schwarzwälder-Kirschtorten-Äquivalente; offizielle Leistungseinheit der Ba[h]lingen-Tour 2015).

Und Luis? Mag kein Bier, keine Bierwurst, keine Torte und lag müde im Auto.*

* Drei von vier Aussagen in diesem Satz sind gelogen.

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Bilder dieser Etappe

(Draufklicken startet Galerie)

Die 4 Highlights dieser Etappe

  1. Flößerpfad: Ein moderner „Bildungsweg“ im Wortsinn mit perfekte Wegmarkierungen, überwiegend attraktiver Strecke, üppigen Informationen vorort und üppige Downloads im Internet.
  2. Schenkenburg: Seit fast 500 Jahren Ruine, aber trotzdem noch beeindruckend — und mit Fast-Rundumblick ein perfekter Ort für eine perfekte Pause.
  3. Schiltach: Schöne Altstadt, imposnater Marktplatz und interessante Schüttesäge — ein Muss wenige Meter abseits des Flößerpfads.
  4. Jakobskapelle Wolfach: Lohnender „Abschlussschlenker“, der ein paar zusätzliche Höhenmeter mit Aussicht und Einsicht belohnt.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Streckenlänge: 23,5 km
  • Höhenmeter: 721 m
  • Start/Ziel: Alpirsbach / Wolfach
  • Gesamtbilanz: 4 Etappen, 86,4 km, 2603 Höhenmeter, entspricht 14,1 Stück Schwarzwälder Kirsch

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