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Frankreich isst Käse (Tag 6)

Am sechsten Tag der Reise und dem fünften in Livarot stellt sich Routine ein: Wie (fast) immer morgens bewölkt und wie (wirklich) immer ein früher Gassigang in den Jardin Public des früheren Käsekönigs Bisson. Heute entdeckte Anokdote: Der Mann hat doch tatsächlich eine Marguerite Fromage geheiratet. Tja, wo der Käse hinfällt 😃

Weitere Routine: Ich hoffe auf Nicht-Sonne, damit ich endlich die hiesige Käserei besuchen kann – wenn nicht heute, dann war’s das. Vorher aber schnell noch einen letzten Einkauf im Intermarché und dessen Tankstelle, um Reiseproviant für mich und Auto zu bunkern. Und um heute meine strikte Baguette-und-Käse-Diät zu beenden.

Danach zu meiner Freude immer noch bewölkt, also endlich in die Käserei Grindorge. Wobei: Eigentlich ist das eine Käsefabrik mit riesigen Produktionshallen und normandiemäßig gestylte Anbauten, in denen die busweise herangekarrten Touristen bespaßt werden.

Drinnen ein multimedialer Rundgang, wo man Maschinen, Insustrierobotern und auch ein paar Menschen bei der Arbeit zusehen kann. Ich fühlte mich etwas unwohl und wie im Menschenzoo… 

Aber laut Google-Rezensionen gefällt den meisten Besuchern die „Käse-Manufaktur“ (in der ein Roboter die Käseharfe schwingt). Da hat sich das Marketing ja gelohnt (und ich bin froh, in Camembert bei echtem Handwerk gewesen zu sein).

Das Disneyland unter den Fromagerien setzte sich im so genannten Käseladen fort: Ein Normandie-,  Frankreich und D-Day-Souvenirshop, in dem sogar etwas Käse verkauft wurde. Sei’s drum – auch dieses Erlebnis war „interessant“ und ist halt auch ein Beispiel für die Lebensmittelbranche. Und kaum war ich draußen, war auch die Sonne wieder da.

Was stand sonst auf der Tagesordnung? Rien, denn morgen wartet (leider) schon der anstrengende Ritt durch Frankreich und nachhause auf uns. Zur Vorbereitung der Kost-Umstellung  zelebrierte ich das Käse-Fastenbrechen ganz bescheiden mit etwas Meeresgetier.

Der nachfolgende Gassigang wurde zur Abschiedsrunde und Gedenkminute im Jardin Public.

Verbunden mit einem kleinen Abstecher in die Mikrobrauerei, an der ich in den letzten Tagen ca. 20 bin 25 Mal vorbeigelatscht bin. Die befindet sich im Gebäude der früheren Käserei, die Livarots Ruhm begründet hat. Es hängt auch hier alles mit allem zusammen.

Et maitenant? Auto ist betankt, Koffer + Taschen weitgehend gepackt. Noch zweimal luisversäubern und dann geht’s retour a la maison. Quelle dommage !

Frankreich isst Käse (Tag 5)

Heute stand eine Fahrt an die Küste auf dem Plan. Wenn man als Landei mal nur 50 km südlich wohnt, muss man das ausnutzen. Auch wenn der Morgengassigang so aussah:

Mir doch egal, bei Sonne kann jeder ans Meer und als Hundebesitzer ist „Wetter“ ohnehin kein relevanter Parameter. Außerdem kann ich dann endlich wieder in einen Supermarkt einkaufen (während Luis im kühlen Auto parkt).

In einer riesigen Carrefour fand ich witzigerweise einen Livarot aus Livarot, der noch witzigerweise das Anwesen zeigt, in dem ich mehrmals täglich spazieren zu gehen pflege.

Ich würde zwar nachmittags – trübem Wetter sei Dank – endlich die Käserei besichtigen, aber vorsichtshalber habe ich trotzdem gekauft. Die restliche Ausbeute war übersichtlich, also bald weiter nach Deauville. Das hatte ich ausgesucht, weil es von Livarot der erstbeste Ort am Meer ist.

Der/das Erste ist nicht immer das Beste: Zu abgezockt (Casino), zu betoniert – und jeder Blick aufs Wasser kostet (Parkgebühren). Das war zuviel Bohei und zu wenig Schönes für zwei ältere Herren, die das betuliche Livarot gewohnt sind. Also lust- und ziellos durch- und weitergefahren…

… um nur ein Örtchen weiter (Villers-sur-mer) einen herrlichen Blick auf einen herrlichen Sandstrand mit einem herrlichen Parkplatz zu haben. Da zahlt man doch gerne. Darf aber nicht, weil:

Es hat Vorteile, weit außerhalb der Saison zu reisen. Auch deshalb:

So ging es ab in den Sand, mit Hund und guter Laune und Sonne! Was für ein gutes Timing bzw. Glück, dass ich im Carrefour so lange herumgetrödelt hatte.

Kilometerlanger Strand, fast für uns alleine – wenn man von einer handvoll entspannter Spaziergänger, zwei Dutzend gelangweilter Möwen und einem Bird of Color absieht.

Als Sahnehäubchen für geographisch Interessierte durften wir uns noch in zwei Erdhälften aufteilen:

….

Zurück in Livarot wurde es mit der Käserei wieder nichts: Die Sonne verrichtete eifriger denn je ihr Tagewerk. Gut, dass ich schon im Supermarkt zugegriffen habe.

Für das notwendige Baguette gab’s noch einen kurzen Abstecher in die Boulangerie, bei der es für jedes Baguette noch 3 Tartes gratis gibt (wenn man 8 € zuzahlt):

Durch eine Reihe glücklicher Zufälle (?) wieder ein rundum gelungener Tag. „El camino provides“ hätte ich das früher zusammen gefasst. Gilt offenbar auch, wenn man meilenweit vom Jakobsweg entfernt und nicht mal zu Fuß unterwegs is(s)t.

Frankreich isst Käse (Tag 3)

Heute war der Tag, den Ort zu besichtigen, wegen dem wir den weiten Weg in die Normandie auf uns genommen haben. Denn „was man hat, das hat man“ und man weiß nie, wie lange der vierbeinige Mitreisende das alles mitmacht.

Nach kurzer Fahrt parkten wir unterhalb des Dorfes, um

Und dann sind wir tatsächlich nach CAMEMBERT „gewandert“. Das besteht eigentlich nur aus einer Kirche, der Mairie und der Rest ist Käse ;-). Eigentlich recht unspektakulär und wegen Vorsaison weitgehend leer.

Das eigentliche Highlight liegt etwas außerhalb (gehört aber noch zum Dorf): Die Käserei Durand ist ein kleiner Produzent, der vollständig in Camembert und handgeschöpft produziert. Es empfing mich ein wunderbarer Duft und der Juniorchef, der schnell aus seiner „Laborkleidung“ geschlüpft war. Für eine Besichtigung war keine Zeit: Luis saß im besonnen Auto, aber für etwas übermotivierten Einkauf hat es gereicht 😉

Auf dem Rückweg noch kurzer Zwischenstopp in Vimoutier. Auch hier hinterließ le fromage seine Spuren. Aber auch der 2. Weltkrieg, der einem hier – 80 Jahre nach D-Day – an allen Ecken und Enden begegnet. Vimoutiers teilte das Schicksal vieler anderer Städte hier: Weitgehend zerstört, obwohl sie mit dem Ganzen nichts zu tun hatten.

Pause.

Zurück in Livarot stattete ich dem Nachbarn einen Besuch ab, um eine weitere Spezialität der Region zu erstehen. Und hatte das Vergnügen, von einem achtzigjährigen (!) Calvados probieren zu dürfen. Wow – merci beaucoup!

Nach den zwei anstrengenden Anreisetagen war das eigentlich genug Tagesprogramm für Luis (und mich). Gleichwohl wurde der Spätnachmittagsgassigang zu einem industriegeschichtlichen Stadtspaziergang mit Ex-Anwesen eines Käsefabrikanten, Ex-Bahnhof und Ex-Käseschachtelfabrik mit historischer Dampfmaschine. Und alles hängt mit allem zusammen. Très intéressant.

Frankreich isst Käse (Tag 2)

Mein Zwischenstopp Venoy erwartete mich heute mit einem früh geöffneten BäckerBarKioskMiniladen, sodass ich morgendlichen Versäuberungsgang und Frühstückskauf in einem erledigen konnte.

Nach schnellem petit dejeuner verließen wir unser (sehr empfehlenswertes!) P’tit Chalet und waren kurz vor halb neun wieder auf der Piste. Diese war um Paris herum zugestaut, weshalb uns mehrere Navis einstimmig quer nach Orléans schickten.

Die Autobahn war unfassbar leer und alle mit einheitlichen 132 km/h unterwegs. Auf knapp 100 km habe ich gefühlt 17 Autos gesehen und bin etwa 3 mal überholt worden (2 Schweizer, 1 Niederländer).

Da war es direkt angehm, dass wir ab Orléans noch ca 170 km Überlandfahrt hatten. Auch hier alles sehr entspannt: Keine Raser, keine Drängler, keine sonstwie Physikbefreiten. (Da wird einem der Unterschied zum deutschen Autofetisch doch wieder sehr bewusst). Alle paar Kilometer freute man sich über Abwechslung durch einen Kreisverkehr oder eine kleine Ortschaft. So zum Beispiel Brezolle mit einer schönen Kirche über einem großen Fischteich, der sich für eine mittaglichen Rundgang aufdrängt.

Drinnen in der Kirche „vermummte“ Gestalten. Hä? Wie ich inzwischen aus kundiger Quelle weiß, ist das ein Brauch aus der Fastenzeit: 7 Wochen ohne sichtbare Präsenz der Heiligen.

Als Protestant habe ich auf Frankreichs Straßen immerhin 7 Tage ohne Präsenz der Eiligen

So ging es gemütlich weiter nach Livarot, wo a) ein gleichnamiger Käse herkommt und b) unsere Unterkunft steht.

Und die ist perfekt: Altes Haus direkt im Ortszentrum, beeindruckend und charaktererhaltend renoviert, alles Wichtige im Umkreis von 30 Metern ums Haus. Selbst ein Hundefrisseur, von dem Luis noch nichts ahnt.

Kann Luis egal sein, als Naturschönheit braucht er solche Dienstleistungen nicht ;-). Hauptsache, der Napf ist da und möglichst voll. Und falls stundenlanges Korbliegen doch mal zu eintönig wird, kann hund ja mal schauen, was/wer draußen so geht…

Gegangen sind auch wir, nämlich kurz zum Einkaufen. Dort konnte ich unter anderem den Époisses ergattern, vor dessen geschlossen Türen ich gestern noch stand. Der lokale Livarot war diesmal nicht dabei, den hole ich mir selbstverständlich direkt in der (ca 200 Meter entfernten) Käserei.

Ich finde das eitle und selbstbeweihräuchernde „Alles richtig gemacht“ in der Regel peinlich und fremdschamauslösend. Peinlicherweise habe ich aber (Stand heute) tatsächlich den Eindruck, dass ich bei Wahl des Ortes und der Unterkunft nicht ganz falsch gelegen bin. Kurzum: Beides kein Käse ist.