Premium-Wandern: Hochalbpfad „Hossinger Hochalb“


Premium-SchafePerfektes, frühsommerliches Wanderwetter am 1. November: Das war für uns ein guter Grund, kurzentschlossen die Wanderschuhe zu schüren und einen neuen Premiumwanderweg unter die Sohlen (bzw. Pfoten) zu nehmen. Wir entschieden uns für einen der drei Hochalbpfade, mit denen sich die Stadt Meßstetten an den Premium-Hype des benachbarten Albstadt anhängt.

Bilder, Highlights, Zahlen, Daten, Fakten am Ende dieses Artikels.

Premium-Informationen

So machten wir uns ganz kurz entschlossen auf den Weg, die Vorbereitung fiel entsprechend mager aus. Die auf der offiziellen Website angekündigten „alle Informationen“ bestehen aus einem PDF-Flyer — kein GPS-Track, keine detaillierte Wegbeschreibungsprosa. „Macht nix“, dachte ich, „Premiumwanderwege sind ja deshalb Premium, weil sie idiotensicher ausgeschildert sind“. Um den Parkplatz zu finden, druckte ich den Flyer aus — eine Entscheidung, über die ich später noch froh sein sollte…

Doppelpremium

Hochalbpfad-Hossingen-02-Weite-WiesenVom Parkplatz (Zitat) „mitten im Grünen […], umgeben von saftigen Wiesen“ führte der Weg schnell an den Albtrauf, wo wir doppelt premium wanderten: Denn etliche Kilometer teilt sich der Meßstetter Premiumwanderweg mit dem Albstädter Premiumwanderweg „Hossinger Leiter“. Deshalb stiefelten wir nicht nur durch einen Herbst-, sondern auch durch einen Schilderwald, da offensichtlich jeder Premiumweg seine eigenen Täfelchen an die Bäume nageln muss.

Doppelt premium heißt auch: Mindestens doppelt so viele Wanderer. Die Menschenmassen strömten, ich fand’s etwas zu voll. Ganz im Gegensatz zu Luis, denn wer kam uns zu unserer großen Überraschung entgegen? Die Flocke, die letztendlich der Grund ist, warum Luis heute (und überhaupt) mit uns durch die Welt wandert. Damit war Luis die nächsten Kilometer mit intensivem Wo-war-Flocke-Schnüffeln beschäftigt und ließ sich nur mit Mühe zu einem Panorama-mit-Hund-Bild überreden.

Albstadt-Panorama
Albstadt-Panorama

Premium-Logik

Nach dem wir diverse Ausblicke vom und rund um den Gräbelesberg genossen hatten, verfingen wir uns einer wandertechnischen Endlosschleife.

Premium-Logik: RECHTS gehts weiter, links gehts in die Endlosschleife
Preisrätsel: In welche Richtung geht der Hochalbpfad?

Die Hochalbpfad-Beschilderer haben hier einen kleinen Aufmerksamkeitstest eingebaut:

  • Wer kommt durch den Pfeil nach links auf die absurde Idee, es ginge nach links?
  • Wer lässt sich durch die Frage ablenken, warum der Hochalbpfad-Gräbelesberg 100 Meter näher ist als der Traufgang-Gräbelesberg?
  • Und wie lange braucht der Wanderer, bis er merkt, dass er dieselbe Strecke schon einmal gelaufen ist?

Zum Glück hatte ich den ausgedruckten Flyer zufällig noch in der Hosentasche und fand so des Rätsels Lösung: Klar: Ich hätte dort nach rechts abbiegen müssen. Premium-Logik für Fortgeschrittene.

Premium-Schafe

Nachdem wir der Endlosschleife entronnen waren, trennte sich auch die beiden Premiumwege — jetzt wurde es deutlich ruhiger und entspannter. Ich genoss die sonnigen Weiden, Luis die darauf grasenden Vierbeiner.

Einmal wie ein Schäferhund fühlen: Schafpanorama mit Luis
Einmal wie ein Schäferhund fühlen: Schafpanorama mit Luis

Hochalbpfad-Hossingen-32-Lichtspiel-mit-HundHochalbpfad-Hossingen-34-Blick-vom-Baienberg-BaratalNach den Schafen kam der Wald und ein kurzer, knackiger Aufstieg, auf dem wir direkt der Sonne entgegen stiegen. Als Belohnung standen wir bald auf dem Baienberg und gönnten uns den Ausblick ins und über das Bäratal (ohne Bären).

Auf dem weiteren Weg nach Michelfeld lag ein kurzer Abstecher zum Aussichtspunkt Spitzfelsen. Die Aussicht konnte mich — im Vergleich zum Baienberg — nicht ganz überzeugen; aber immerhin kann der Hochalbpfad damit premiumrelevante „Erlebnispunkte“ einsammeln.

Premium-Verwirrung

Lost in Premiumwandern
Lost in Premiumwandern

Nach Michelfeld erreichten wir fehlerfrei einen Rastplatz, doch dann begann die Verwirrung: Wo geht es weiter? Klar, auf freiem Feld lassen keine Schilder in die Luft nageln. Dann erblickte ich mit (bebrillten) Adleraugen einen nagelneuen Wegweiser-Pfosten am nahen Waldrand. „Hochalbpfad“? Fehlanzeige, aber immerhin ein  Wegweiser, der „gefühlt“ in die richtige Richtung zeigte — in den Wald.

Nach ein paar Dutzend Metern wurde ich dann doch unsicher und stand unschlüssig herum — bis mich eine weitere unsicher-unschlüssige Wandergruppe erreichte. Hier half auch der PDF-Ausdruck nicht weiter. Die andere Gruppe drehte gleich weider um; wir stapften noch ein paar Minuten weiter im Wald, bevor ich aufgab — und auf dem Rückweg der dritten verwirrten Wanderschar begegneten.

[Des Rätsels Lösung: Der richtige Wegweiser war — vom Rastplatz unsichtbar — eine Waldecke weiter hinten. Vermutlich ein weiterer Erlebnispunkt, um die wandergruppenübergreifende Kommunikation anzuregen.]

Wieder „on track“ ging es abwärts Richtung Burgruine Hossingen. Und aufwärts entgegen kam mir die erste Wandergruppe, die nun völlig verunsichert war, wo denn nun der richtige Weg sei. Hier konnte ich — Flyer-Ausdruck sei dank — kompetent Auskunft geben und als kurzzeitiger Premium-Wanderführer fungieren.

Premium-Aussichten

Hochalbpfad-Hossingen-50-HundeabwehrgitterDie Burgruine Hossingen war eine alte Bekannte, der ich vor knapp 7 Jahren einen Besuch abstattete. Denn genau dort liegt der Geocache Burtales, den ich Weihnachten 2008 geloggt hatte. Gut so, denn jetzt simuliert eine Gitterbrücke die ehemalige Burgbrücke — und was Luis von Gitterbrücken hält, weiß ich spätestens, seit ich ihn auf dem Neckarweg 150 Meter über den Neckar tragen durfte.

Hochalbpfad-Hossingen-58-AlptenblickHochalbpfad-Hossingen-54-WiesenwellenIm Schatten und im Tal war es spürbar kalt, deshalb: Schnell weiter ins späte Sonnenlicht und die abstrakten Formen bestauen, die Licht und Schatten in die Wiesenwellen zeichneten. Genug gestaunt, weiter Richtung Lerchenbühl. Hier war wieder Staunen angesagt, denn dort — direkt über Hossingen — erkannten wir zweifellos den Säntis, 110 Kilometer entfernt in Appenzell und doch fast „zum Greifen nah“. Großartig! Premuim-Aussicht!

Die Schatten wurden immer länger, die Sonne stand immer tiefer, der Parkplatz war direkt vor unserer Nase (bzw. Schnauze). Deshalb verzichteten wir den letzten, offiziellen Schlenker durch Hossingen und die Hossinger Leiter. Stattdessen veranstalteten alberne Schattenspiele und erwischten einen grandiosen Blick in die untergehende Sonne. Premium-Sonnenuntergang! Und ganz am Ende, direkt über den parkenden Autos, berauschte ein letztes Mal die intensive Farborgie der Herbstbäume.

Lerchenbühl-Panorama mit Schattenpanorama
Lerchenbühl-Panorama mit Schattenpanorama
Schäfers Abendstündchen
Schäfers Abendstündchen

„Am Ende des Tages“, wie man so sagt, waren Wandermassen und Schilderwirrwarr längst vergessen. Es bleibt die Erinnerung an einen sehr stimmungsvollen Premium-Wandertag.

Premuim-Bilder

Tipp: Klick auf ein Bild startet die Galerie zum Durchblättern.

Die 4 Highlights dieser Wanderung

  1. Aussichten vom Gräbelesberg: Selbst bei Wanderherden immer wieder ein schönes Erlebnis.
  2. Schafherden: Zumindest für Luis definitiv das Highlight.
  3. Säntisblick: 110 Kilometer Luftlinie zum Greifen nah.
  4. Licht- und Schattenspiele: „Eigentlich“ sind wir zu spät losgelaufen — gerade richtig, um die Wirkung der tiefstehende Sonne zu bewundern.

Zahlen, Daten, Fakten

2 Kommentare zu „Premium-Wandern: Hochalbpfad „Hossinger Hochalb““

  1. Ein toller Bericht. Aber schon wieder mit gefährlichen Rasenmähern. Die greifen mich immer an. Die müssen sich ausbreiten, bei uns gibts die auch. GLG Odie
    P.S. Danke für den schönen Blog.

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