Prognosen & Zeichen


Der Hundebesitzer tut es Politikwissenschaftler, Verhaltensforschern und Investmentbankern gleich: Er versucht aus Ereignissen der Vergangenheit Regeln abzuleiten, aus denen sich Prognosen ergeben, mit denen sich Ereignisse und Entscheidungen der Zukunft positiv beeinflussen lassen.

Dem Hundebesitzer dienen die Prognosen dazu, die „Geschäftstätigkeit“ des Hundes an einen optimalen Standort zu verlagern. Die Motivation des gut erzogenen Hundebesitzers ist es nämlich, die unangenehmen Hinterlassenschaften der Geschäfte selbst aufzuräumen, um sie der Allgemeinheit zu ersparen und damit einen kleinen Beitrag für ein funktionierendes Gemeinwesen zu leisten. (Damit verhält er sich genau umgekehrt wie der Investmentbanker, aber das ist ein anderes Thema).

Nach mehrwöchiger Datensammlung und -auswertung ist es mir nun gelungen, eine Formel zu erarbeiten, die die wahrscheinliche Position der „Geschäftstätigkeit“ ermittelt. Die Berechnungen waren sehr komplex und betrachteten unter anderem Parameter wie

  • Dauer, Wegstrecke und Durchschnittsgeschwindigkeit der Gassirunde
  • Zeitpunkt, Menge und Produkt der letzten Fütterung
  • Anzahl und Intervalle der seither verabreichten Leckerchen
  • Motivation, Laune und Gesamtbefinden des Hundes
  • Motivation, Laune und Gesamtbefinden des Hundebesitzers
  • Anzahl der Menschen, die Hund und Hundebesitzer kritisch beobachten

Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung aber sprengen. Unter Berücksichtigung aller Parameter stellt der erstaunte Forscher fest, dass der vierbeinige Proband die unmittelbare Umgebung dieses Zeichens für einen optimalen Standort hält (und der zweibeinige Proband ihn jedes Mal vom Gegenteil überzeugen muss):

Der Laie staunt, der Hundekenner weiß: Hunde leiden unter einer Rot-Grün-Sehschwäche. Daher stellt sich die Situation für Luis wie folgt dar:

Dieses offizielle Zeichen fordert einen schwarzen Hund mit weißem Streifen auf, mindestens zwei Häufchen zu hinterlassen. Luis hat genug Abstraktionsvermögen um zu wissen, dass offizielle Zeichen verallgemeinern müssen und das Zeichen daher auch für Hunde anderer Zeichnung gelten muss.

Also wundert sich der Vierbeiner zurecht über das Veto seiner (hier links stehende) Gassiführerin, die ihn hier dazu verleitet, einer offiziellen Geschäftsverrichtungsaufforderung nicht nachzukommen.

Und der Zweibeiner wundert sich über die Gestaltung des Schildes, dass die Anforderungen der Zielgruppe vollkommen ignoriert. In der Privatwirtschaft hätte das produkthaftungsrechtliche Folgen — hier führt es nur zur Hundeverwirrung und untergräbt dessen Glaube an Rechtsstaat und Öffentliche Ordnung.

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