Schild(bürger)streiche


Da sich das angekündigte Schönwetter um einen Tag verzögert hat, verschoben wir die geplante Schifffahrt und statteten stattdessen Friedrichsstadt ein Besuch ab. Zuvor stand ein morgendliches Gassicaching auf dem Programm — beides sorgte für beschilderte Verwirrung.

Schildbürgerstreich am alten Steg

Das Ziel des nett gemachten Caches GC1R5WA »#7 Alter Steg« ist — wer hätte es gedacht — ein alter Steg, der über Schilf und Schlick in die Nordsee führt. Ein schöner Anblick, wenn man den Steg aus der Sicht eines Fremdenverkehrsprospektes betrachtet:

In der Realität zeigt das Biotop ideale Wuchsbedingungen für einen Schilderwald:

Wer — trotz vierbeinigem Begleiter — Zeit und Muße findet, sich mit den hunderelevanten Vorschriften auseinanderzusetzen, steht dann nicht nur am Steg, sondern auch vor einem Rätsel:

  • Erstes Schild: Keine Hunde, nur Bürgermeister
  • Zweites Schild: Hunde ohne Leine dürfen nicht koten
  • Drittes Schild: Hunde nur mit Leine

Watt nu? Nur der Bürgermeister darf keinen Hund mitbringen? Nur angeleinte Hunde dürfen koten? Nur durchsichtige Hunde müssen angeleint werden?

Letztendlich hat sich der Autor in einem juristischen Slalomlauf für die Interpretatin »Ich bin kein Bürgermeister, daher leine ich meinen Hund an, anstatt ihn entleeren zu lassen« entschieden. Für weitere Details verweigere ich die Aussage, um mich und Luis nicht zu belasten.

Schildbürgerstreich in Friedrichsstadt

Weiter ging es nach Friedrichsstadt, das durch holländische Anmutung betört. Grachten, holländische Architektur, viele NL-Touristen, niederländische Beschilderung, Coffeeshops (die allerdings nur Kaffee feilbieten).

Dolle Show — so weit, so gut und so schön:

Aber: Zahlreiche (deutsche!) Hinweisschilder locken den Besucher zum »Fünf-Giebel-Haus«. Aufgrund der Zahlreichigkeit der Schilder muss es sich um eine besonders sehenswürdige Sehenswürdigkeit handeln, sodass wir als kulturell interessierte Besucher uns auf den Weg machten, dieses Kleinod persönlich anzuschauen:

Selbst mathematisch Minderbegabte werden schnell feststellen, dass »5« als  Antwort auf die Frage nach der Anzahl der Giebel dieses Hauses wenig erfolgversprechend ist. Am Ort des Geschehens rückt Friedrichsstadt dann mit der Wahrheit heraus (Hervorhebungen durch mich):

Einst mit fünf Giebel ausgestattetes Haus […] 1837 wurde die Fassade vollständig erneuert.

Um Touristen künftig nicht unnötig durch die Gassen zu jagen, wäre eine stadtweite Ausschilderung als THFHFG anzustreben (»The house formerly having five gables«). Ob sich der Schild-Bürgermeister darauf einlässt, bleibt abzuwarten.

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