Zickzack 3: Bisingen — Irgendwo im Wald


Zickzack-Etappe 2 war ein kurzes, wolkengraues Vergnügen und brachte uns auf der Landkarte kaum weiter. Am Sonntag, mit durchgängig strahlend blauem Himmel, wollte ich auf längerer Zickzack-Tour richtig vorwärts kommen. Ob uns das gelingen würde? Die Antwort ist ein entschiedenes Jein. Dazu gab es noch hilfreiche Perspektivwechsel und eine dringend notwendige Korrektur einer uralten Poesiealbum-Weisheit.

Zahlen, Daten, Fakten am Ende des Artikels

Zielstrebiger Start

Im Frühtau ging es nicht zu Berge, sondern nach Bisingen, wo unsere letzte Zickzack-Etappe ihr Ende fand. Frühtau gab es trotzdem, sodass wir flott starteten und den Ort zielstrebig hinter uns ließen.

Erste Prognosen zur vermeintlichen Richtung des heutigen Tages schwankten zwischen Burg Hohenzollern, die prachtvoll vor unserer Nase lag, und dem „Stich“ Richtung Albstadt-Onstmettingen im Osten (und der Sonne entgegen).

So ganz wurde ich aus dem Zufall nicht schlau — aber das soll ja auch so sein. Schöne Wiesen- und Waldwege lotsten uns auf verworrenen Wegen auf den Ebersberg oberhalb von Thanheim. Würde es Richtung Hohenzollern oder Albstadt gehen? Mit etlichen Höhenmetern hatten wir die Grundlage für beides gelegt und konnten ein schönes Panorama des Albvorlands bewundern.

Zickzack-Falle Thanheim

Auf dem Ebersberg schlug El Zigzag zu: Statt nach links (Richtung Hohenzollern) zwang er uns, nach rechts Richtung Thanheim abzubiegen. Eigentlich nicht weiter dramatisch…

… uneigentlich aber eine bösartige Zickzack-Falle: Thanheim besteht aus vielen merkwürdig verschlungenen, gehweglosen Wohnstraßen, die den Zickzackwanderer konzentrische Kreise ziehen lassen. Kurze Lichtblicke in Form scheinbar rettender Waldwege sind offensichtlich nur SUV-Pisten für Jagdtreibende. Pompöse Schotterstraßen enden kurz nach Hochsitzen; dichtes und undurchdringliches Gestrüpp nötigt zur Umkehr.

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Nach einer dreiviertel Stunde waren wir immer noch in Thanheim gefangen und befragten das Allwissende Garmin. Ernüchternde Antwort: Wenn wir die Fünf Grundsätze des Zickzack-Gassiwanderns befolgen, werden wir ewig weiter in Thanheim herumirren — es gäbe kein Entrinnen. Da beschloss der Große ZickZack-Rat folgende…

Lex Thanheim
Zickzack-Gassiwanderer, die einen Ort namens Thanheim betreten,
haben diesen auf dem schnellsten und kürzesten Wege wieder zu verlassen.

„Rückwärts nimmer, vorwärts schlimmer“

Damit durften wir direkt Richtung Ortsschild navigieren und danach einem kleinen, steilen Teersträßlein folgen — etwas abseits der „Stichstraße“ Richtung Albstadt. Doch es kam, wie es kommen musste: Aus Teerstraße wurde Forstweg wurde Waldweg wurde Dornengestrüpp.

„Rückwärts nimmer, vorwärts schlimmer“ beschrieb die Lage ganz treffend:

  • Zurück nach Thanheim wollten wir auf keinen Fall (Verstoß gegen die eben erst geschaffene Lex Thanheim).
  • Vorwärts war kein Durchkommen. Luis wollte (zurecht) keinen Meter weiter durch das Dornenmeer und ich hatte keine Lust, 20 Kilo zappelnden Hund meilenweit über Schlingpflanzen zu tragen.

Ich beschloss, die aussichtslose Lage durch eine Vesperpause zu verbessern. Eine halbe Salami-Käse-Laugenstange später war die Lage immer noch diesselbe, aber sah deutlich besser aus: Ich saß auf einem moosweichen Baumstamm in der Sonne und bewunderte mampfend das Waldidyll.

Erneut befragten wir das Allwissende Garmin, das diesmal eine erfreuliche Antwort hatte: Etwa 100 Meter neben uns war eine durchgezogene schwarze Linie (auf dem Display), die einen richtigen und guten Weg versprach (im realen Wald).

Was haben wir gelernt? Der Klassiker unter den Weisheiten fürs Poesiealbum muss neu geschrieben werden:

Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her
iss eine mit Salami und Käse belegte Laugenstange.

Zusatzinfo für In-diesem-Jahrtausend-Geborene: Poesiealbumeinträge waren Likes aus Papier, als die Menschen noch kein Facebook hatten. Ja, es gab schon Menschen, bevor Facebook gegründet wurde.

Garmin verspricht, der Wald liefert.

Die Realität hielt, was Garmin versprochen hatte: Eine breite Forststraße lud zu schnellem Gassiwandern ein und war kilometerlang alternativlos — keine Abbiegungen weit und breit.

Wir marschierten zunächst grob Richtung Stich, um dann nach einer sehr großen 180°-Kehre genau in die entgegengesetzte Richtung zu gehen — nur viele Höhenmeter weiter oben und knapp unter der Traufkante.

Insgesamt waren wir seit der Schinken-Käse-Laugenstangen-Rettung sehr zügig unterwegs. Einzige Bremse: Mehrere hundert Meter von Forstpanzern umgepflügte und nachhaltig zerstörter Waldboden. Dieses Schlachtfeld der Waldbewirtschaftung kostete viel Zeit, Konzentration und schmerzafte Fehltritte.

Irgendwo im Wald

Die Sonne spoilerte die Himmelsrichtungen, daher war klar: Wir bewegten uns langsam wieder auf Bisingen zu, wo wir am Morgen gestartet waren. Doch dann wollte uns eine Abbiegung nach „scharf links“ boshaft tiefer in den Wald hinein- und den Albtrauf hinaufschicken. Genug für heute!

Das Allwissende Garmin flüsterte, dass diese Stelle „irgendwo im Wald“ ein ganz passables Etappenziel abgäbe: Nicht zu weit von der nächsten Straße entfernt, sodass wir beim nächsten Mal keinen unnötig weiten Anmarsch zum Start haben würden.

Ebenso verriet das Allwissende Garmin, dass wir nach 18½ Kilometern und 4½ Stunden sen-sa-tio-nel-le 2300 Meter vom Bisinger Bahnhof entfernt waren. Hmpf….

Déjà-vue-Spaß auf dem Rückweg

Ich nahm es mit Humor und freute mich über den unerwartet kurzen Rückweg. Ebenso humoristisch war dieser Wegweiser: Er kam mir irgendwie bekannt vor (auch Luis schnupperte höchst interessiert und wissend). Kein Wunder, denn wir waren hier bereits auf der vorherigen Etappe vorbeigekommen und jetzt gerade mal 20 Minuten von deren Ausgangspunkt entfernt („Seerosengarten 1,7 km“).

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Auch wenn Teile der Strecke unfreiwillig identisch mit „Zickzack 2“ waren, war das Wetter das exakte Gegenteil: Beim letzten Mal grau und nass, jetzt Sonne satt und kein Wölkchen am Himmel. Sehr schön!

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Warum schon austauschen, wenn das Plakat noch gut aussieht?

Ein finales Grinsen zauberte mir dann noch die Volksbank Hohenzollern ins Gesicht: Mit sehr subtilen Mitteln weist sie darauf hin, dass hier noch besonnen und nachhaltig gearbeitet und geworben wird — keine nervösen 60-Sekunden-Tradings und hektische Geldmarkt-Transaktionen…

Vorwärts? Jein.

Sind wir heute richtig gut vorwärts gekommen? Das ist eine Frage der Perspektive:

  • Nein, denn etwas über 2 Kilometer (Luftlinie) in 4,5 Stunden kann man nicht wirklich als „gut vorwärts kommen“ bezeichnen.
  • Ja, denn 18,5 Kilometer, fast 700 Höhenmeter und teils unwegsames Terrain in 4,5 Stunden ist ganz passabel „vorwärts gekommen“.

Letztendlich hat uns der Zufall eine schöne, gelungene und angenehm herausfordernde Rundwanderung ausgetüftelt.

Was haben wir gelernt? Zickzack-Gassiwandern ist nicht geeignet, um in neue Regionen vorzustoßen. Ein Perspektivwechsel hilft: Betrachtet man das Zickzack unter dem Aspekt „Lerne Deine Heimat kennen“, ist es sehr erfolgreich.

Übrigens: Auch Luis ist von „Zickzack“ begeistert und inspiriert. Kaum zuhause, wandte er die Methode erfolgreich an, um seine Pfoten entspannungsgerecht zu platzieren. Ein Vorbild an Corporate Idösity!

Zahlen, Daten, Fakten

  • Start: Bisingen. Ziel: Irgendwo im Wald
  • Zickzack-Strecke: 18,45 km (4:30 Stunden), 610 Höhenmeter
  • 21 x links, 21 x rechts
  • Luftlinie Start — Ziel: 2,3 km
  • Rückweg: 2,8 km (35 min)

 

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