Zickzack 2: Seerosengarten — Bisingen

Die Generalprobe des Zickzack-Gassiwanderns hatte bewiesen: Es funktioniert — viel besser als ich erwartet hätte. Das verlangte nach einer baldigen Fortsetzung. Dabei sorgte der Zufall gleich zu Beginn für eine überraschende Begegnung  — und am Ende sah ich interessante Parallelen zum Leben außerhalb der Gassiwanderwelt.

ZickZack2
Zahlen, Daten, Fakten am Ende des Artikels

Erste Überraschung: Fix & Foxi(e)

Die vorige Zickzack-Gassiwanderung endete mit einer Abbiegung rechts; folglich stand als erster Richtungswechsel für „Zickzack 2“ ein Links-Schwenk auf der Todo-Liste.

Die folgende Strecke konnte ich durch frühere Gassigänge, Radtouren, Geocachings etc. erahnen: Nach etwa 200 Meter würde ich halbrechts Richtung Wald abbie….. Nein, würde ich nicht, denn bereits nach 150 Metern wartete auf ein Feldweg nach rechts auf mich, den ich bisher noch nie wahrgenommen hatte.

Ebensowenig wahrgenommen wurden wir von einem eitlen Fuchs: Er ließ mir Zeit, ohne hektische Bewegungen das Smartphone auszupacken und zu entsperren, die Foto-App aufzurufen und virtuell zu zoomen, zu fokussieren und „abzudrücken“. Und ging erst dann gemütlich seines Weges.img_20181111_1407124837206155973902332.jpg

So hatte mir der Zufall (bzw. die Fünf Grundsätze des Zickzack-Gassiwanders) gleich zu Beginn eine schöne Überraschung und ein Fuchs-Foto beschert. Oder: Die erste Überraschung kam fix und war ein „Foxie“.

Waldschleifen und zweite Überraschung

Nach Fuchs kam Wald: Immer weiter hinein, erst ost-, dann südwärts. Nach etlichen Windungen, Abzweigungen und Spitzkehren hatte kein Gefühl mehr, in welche Richtung ich mich bewege. Nicht mal die Position der Sonne konnte helfen; sie versteckte sich über einer grauen Wolkendecke.

Eine Richtung konnte ich dennoch erkennen: Aufwärts. Die Wege waren rutschig (verregnete Nacht), umgepflügt (Wildschweine) und zugewuchert (hüfthohes Gras). Ich musste mich abmühen, im knöcheltiefen Matsch vorwärts zu kommen anstatt rückwärts zu rutschen. Immerhin: Luis hatte Spaß und viel zu schnuppern.

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Mehrmals links, mehrmals rechts, im Nichts endende Wege und eine potentielle Endlosschleife (der ich unter Anwendung von §§ 4 — 5 der Fünf Grundsätze des Zickzack-Wanderns entrinnen konnte)… Nach 5 anstrengenden und matschigen Kilometern purzelten wir endlich aus dem Wald auf einen erfreulich gut geteerten Weg.

Und ganz in der Nähe sah ich… War das nicht…? Das ist doch ….! Ja, er war es: In kurzer Distanz sah ich den Seerosengarten. Nach einer Stunde (!) Zick und Zack stand ich 50 Meter (!!) neben der Stelle, an der ich den ersten Feldweg rechts genommen hatte.

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Lautes Lachen schallte durch den Wald, als ich meine Position erkannt und verstanden hatte. Sehr zur Verwunderung einer um die Ecke kommenden Wandergruppe, die irritiert einen großen Bogen um mich machte. Verständlich, wenn bei einem verdreckten Waldschrat mit verdrecktem Hund unkontrollierte Heiterkeit ausbricht…

„Ich kann auch anders“, sagt der Zufall

Einen Vorteil hatte das Ganze: Wenn ich in diesem Tempo weiter vorwärts käme, bräuchte ich für den Rückweg zum Auto nach zwei Stunden Zickzack keine 10 Minuten.

Doch kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, zeigte der Zufall einmal mehr, was eine Harke ist: Das Wegenetz verzichtete ab sofort auf unnötige Kreuzungen und Abzweige; die wenigen Ausnahmen waren ordentliche 90-Grad-Winkel. Deshalb ging es nun sehr flott und sehr zielstrebig weg vom Startpunkt und hin nach Bisingen.

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Gerade, geteerte Wege und sogar etwas blauer Himmel
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„Nein Luis, wir probieren nicht aus, ob der nur spielen will“

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In Bisingen führte mich §2 der Fünf Grundsätze des Zickzack-Gassiwanders mich relativ direkt durch den Ort. Damit hatte auch §2 seinen Zweck wie geplant erfüllt und seine Feuerprobe bestanden: Indem ich nicht in Straßen mit Gehwegen abbiege, erspare ich mir (und vor allem Luis) unnötige lange innerörtliche „Wanderungen“.

Knapp zwei Stunden nach dem Start latschten wir durch eine Parallelstraße östlich des Bisinger Bahnhofs. Hier beschloss ich, es für heute gut sein zu lassen: Immer häufiger nervten kleine Regenschauer und der Rückweg würde länger, je weiter ich geradlinig vorwärts ginge.

Hier war also Schluss und hier wird es also beim nächsten Mal weitergehen:

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Reminder: Hier geht es weiter — und die nächste Abbiegung ist links

Zickzack-Gassiwandern macht abgebrüht

Fassen wir zusammen: Nach 2 Tagen und 20 Kilometern zufallsgesteuertem Zickzack-Gassiwandern stand ich einen Steinwurf vom Bisinger Bahnhof entfernt und (bis auf wenige) Meter noch auf unserer bekannten Wander-/Radstrecke (z.B. als Teil unserer Bali-Pliezi-Tour 2017 oder Richtung Burg Hohenzollern). Ist das nicht unglaublich? Sensationell?? Der Hammer???

„Gähn“, spricht der erfahrene ZickZack-Gassiwanderer, „der Zufall wird völlig überschätzt. Und wir sind immerhin einige Meter daneben — bei der ersten Tour sind wir zufällig genau am Seerosengarten herausgekommen.“ Er ist ebensowenig beeindruckt, dass die Etappe zufällig am Druckhaus Mayer endet. Oder dass es 18 x links und 18 x rechts ging — zufällig genau so oft wie bei der vorigen Etappe, obwohl die 50% länger war.

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Lost place Bisingen: Das Bild hat keinen Bezug zum Text, wollte ich aber nicht ungenutzt lassen.

Schneller Rückweg und Erkenntnisgewinn fürs wahre Leben

Durch die effiziente zweite Hälfte des Zickzacks hatte ich doch noch ein ordentliches Stück Rückweg vor mir. Der Großteil war bolzengerade auf freiem Feld und eintönig genug, um den heutigen Zickzack-Tag Revue passieren zu lassen.

Was haben wir gelernt? Die heutige Strecke hatte erstaunliche Ähnlichkeit mit manchen Diskussionen und Meetings und Projekten im wahren Leben [die ich nur vom Hörensagen kenne und noch nie selbst erlebt habe]:

  • Nach ewigem Hin und Her und vielen Schleifen ist man kaum einen Schritt weiter und steht wieder da, wo man angefangen hat.
  • Wenn man sich damit (fast) abgefunden hat, geht es völlig unerwartet rasend schnell vorwärts.
  • Wer den Aufwand für die Planung des einfachen Weges scheut, erreicht dasselbe Ziel. Braucht dafür aber ein Vielfaches der Zeit und Anstrengung (und Nerven), die die Planung gekostet hätte.

Hmmm… Vielleicht sollte ich Management-by-Zigzag als neuesten Coaching-Hype etablieren und/oder exklusive Executive-Seminare anbieten, um High Potentials für viel Geld in den Wäldern Haken schlagen zu lassen…

Zahlen, Daten, Fakten

  • Seerosengarten Engstlatt ⇒ Bisingen
  • Zickzack-Strecke: 8,41 km, 175 Höhenmeter, 1:50 Stunden
  • 18 x links, 18 x rechts
  • Luftlinie 2,3 km
  • Rückweg: 3,5 km (45 min)

4 Kommentare zu „Zickzack 2: Seerosengarten — Bisingen“

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