Januar
Einer der wenigen Vorsätze für 2023 war, pro Monat ein Wochenende freizuräumen und außerhalb des heimischen Reviers zu verbringen. Ein Dartpfeil ermittelte das Ziel des ersten Wochenendes dieser Art: Tamm bei Ludwigsburg. Und es erfüllte sich, was ich erhofft hatte:
- Ich lernte einen kleinen, unterschätzten Ort kennen.
- Ich hatte eine nette Wanderung über Hohenasperg bis zum Schluss Monrepos (nebenbei schöne Erinnerung an studentische Freizeitgestaltung)
- Ich genoss ein hervorragendes Abendessen im Wirtshaus zum Ochsen.
So fing das Jahr gut an und ich war gespannt: Wo würde mich das nächste zbV-Wochenende („zur besonderen Verwendung“) hinführen?






Februar
Nirgends, denn das für Februar freigeschaufelte Wochenende war durch kurzfristige anberaumte familiäre „Events“ obsolet geworden. Immerhin war eines der Events ein schöner Grund, um den Vorsatz für 2024 bereits beim 2. Mal über Bord zu werfen.

März
Im März war meine traditionelle Wanderwoche geplant — in dem Wissen, dass „Wandern“ sehr von der Tagesform meines vierbeinigen Mitwanderers abhängen würde.
Warum ich mich für Ingersheim bei Colmar (F) entschieden hatte, weiß ich nicht mehr — es war aber eine sehr gute Wahl: Ausgiebige Gassigänge durch Weinberge, zwei längere Tagesmärsche, käsebegeisterte Ausflüge ins Münstertal, eine private Weinprobe, sehr freundlicher Vermieter, großartige französische Lebensmittel und (meistens) herrliches Frühlingswetter… C’était parfait und ein angemessener Ausgleich für den ausgefallen zbV-Februar.















April
Ungewöhnlich früh wartete Cannobio am Lago Maggiore auf uns — zum erstem Mal nicht in Angelos Casa, sondern ein paar Meter außerhalb der Altstadt mit schönem großen Garten und — tataaaa! — Seeblick. Da hatte die Buchungsnot aus dem Lago eine Tugend gemacht (oder so ähnlich).
Und wie immer konnten wir dort noch etwas Neues „entdecken“: Diesmal eine spektakuläre Bahnfahrt auf den Monte Generoso, wo wir Mario Bottas Architektur bewunderten — aber auch die sensationelle Fernsicht, die uns von den luftreinigenden Regengüssen der Vortage geschenkt wurde.
Nicht neu, sondern alte Tradition war die Wanderung von Cannero nach Cannobio, die der alte schwarze Mann Hund mit angemessenem Eifer absolvierte.














Mai
Im Mai begann die Gartenschau Balingen und damit der mehrmonatige „Höhepunkt“ für Anwohner und deren Vierbeiner: Eine kilometerlange No-Go-Area mitten durch die Stadt, lange Umwege, wenig Grün und kaum Zugänge zum kühlenden Nass. „Tolle“ Aussichten für Spätfrühling, Sommer und Frühherbst. Immerhin: Ein interessantes Experiment, um Effizienz und Glaubwürdigkeit der kommunalen Verwaltung zu erkennen. Warum fallen mir genau jetzt Schilda und Pinocchio ein?

Ohne Hund, aber aus sehr gutem Grund konnten wir dem Gartenschaugehege Ende des Monats entfliehen — hoch über den Dächern genossen wir den herrlichen Ausblick auf Radolfzell und den herrlichen Rückblick auf ein Vierteljahrhundert.





Juni
Nach so vielen Urlauben (fast) keine besonderen Vorkommnisse im Juni. Irgendwann muss man ja auch arbeiten, um das Geld verdienen, um es in weitere Urlaube investieren zu können ;-).

Zuhause sind die Lotsendienste für verwirrte und verärgerte Gartenschaubesucher tägliche Routine geworden. Die Stadtverwaltung macht halt zum ersten Mal eine Gartenschau und auch die zugekauften „Experten“ können nicht wissen, dass man einen gut versteckten Eingang auch verständlich ausschildern könnte. Gerüchten zufolge sollen engagierte Bürger gratis nachgeholfen haben, damit „ihre“ Stadt nicht ganz so doof da steht. Das gibt dem Wort „Schildbürger“ eine völlig neue Bedeutung….



Juli
Für eine futterfinzanzierende Person des Hauses war Juli aus zwei Gründen futterfinanzierungstechnisch speziell: Zum einen „durfte“ ich mal wieder eine europäische Hauptstadt bereisen, die mit B anfängt und so ähnlich tönt wie ein großes Pelztier (mehr möchte ich nicht verraten).


Zum anderen habe ich — als Alternative zu den gescheiterten zbV-Wochenenden — einen 14tägigen Frei-Tag eingeführt. Den ersten habe ich sofort für einen Ausflug ins Schwenninger Moos genutzt. Warum? Erste Antwort: Warum nicht? Zweite Antwort: Weil dort alles begann (» Neckarweg I: Schwenningen – Deißlingen).




August
Mit schwarzem Fell ist „Nichtstun“ die einzig sinnvolle Tätigkeit im August — zu viel Sonne, zu viel Hitze und zu wenig Schatten (wenn alle Alleen abgeriegelt sind). Zwingend notwendige Gänge führt man hund sinnvollerweise in den Nacht- oder Morgenstunden durch.

Weniger behaarte Spezies können alternativ eine Freiluftaufführung des Sommernachtstraums genießen, eine klimatisierte Zugsafari Sigmaringen — Ulm — NBS — Esslingen unternehmen oder mit der neuen Kamera auf Fotopirsch gehen.












September
Zur Überraschung unserer Mitmenschen verbrachten wir unseren diesjährigen Zweiturlaub am Lago Maggiore. Ja, sehr überraschend, weil wir dort üblicherweise nur einmal im Jahr sind. Noch überraschender: Nicht Cannobio, sondern am anderen Ufer und südlicher in Monvale. Ganz andere Landschaft, viel weniger überlaufen, eine grandiose Gastgeberin1 mit tollen Restorante-Tipps und riesiger Garten mit direktem Seezugang vor der Nase (bzw. Schnauze).








Eigentlich wollten wir die südlichere Position für einen Ausflug nach Mailand nutzen, entschieden uns auf Ratschlag eines Kollegen für Turin, weil das die schönere und bessere Stadt sei2. Recht hatte er — da müssen wir unbedingt nochmal hin.


- Mit sehr vielen biscotti für Luigi ↩︎
- Seine Empfehlung hat sicher nichts damit zu tun, dass er selbst aus Turin kommt. ↩︎
Oktober
Endlich — die Gartenschau ist vorüber und zur allgemeinen Verwunderung hat die Stadtverwaltung diesmal eine Ankündigung gehalten: Das Gehege wurde erstaunlich schnell abgebaut, sodass Balingen endlich wieder komplett und barrierefrei zugänglich wurde. erleichtertes Aufatmen bei Zwei- und Vierbeinern: Nach 2 Jahren sich wieder normal und auf Rundwegen bewegen können! Und ich war froh, dass Luis dass doch noch erleben konnte — er ist ja nicht mehr der Jüngste und die Verwaltung bisher nicht die Schnellste.



Weiteres Hightlight im Oktober: Ein spontan auf Dienstag verschobener Frei-Tag, um aus einer angeheirateten Dienstreise eine herbstliche Winter-Thur zu machen.



Zufällig stieß ich dort auf eine Caspar-David-Friedrich-Ausstellung. Ein glücklicher Zufall, denn „live“ ist das viel beeindruckender als ich vermutet hätte.
Kulturhistorisch nicht ganz so bedeutsam war die Entdeckung eines originellen Friseurnamens. Man hat in dieser Branche schon viel haarsträubende Namen gehört — aber dieser Coiffeur konnte mich doch noch überraschen. Tiptop!

November / Dezember
Das letzte Sechstel des Jahres fing viel versprechend an: Besuch in FN/RV, käsiger Frei-Tag im Schwarzwald und flockiger Gassigang bei schönstem Spätherbstwetter…







…. doch die zweite Hälfte des letzten Sechstels konnte nicht halten, was der Anfang versprochen hatte. Die restlichen Frei-Tage mussten aus mehreren Gründen off-label verwendet werden. Zudem wurden die Gassirunden „aus Gründen“ kürzer und häufiger.
Am Ende doch noch Teil-Entwarnung: Weihnachten wurde es trotzdem, was in manchen Kulturkreisen bekanntlich mit dem Werfen von Saitenwurstabschnitten gefeiert wird.

Fazit
Würde ich das Jahr aus der Ferne mit zugekniffenen Augen betrachten, müsste ich es als eher mittelprächtig bewerten.
Aber: Wenn man für den Jahresrückblick die ewig lange Smartphone-Galerie von 2023 durchscrollt, finden sich zahllose schöne, lustige, sonnige, leckere, entspannte, herzliche, beglückende Momente zwischen/hinter/neben/unter dem nicht immer ganz so tollen Großen und Ganzen. Auch wenn der viele positive „Kleinkram“ keine Erwähnung in einem Jahresrückblick finden kann, war’s so gesehen doch ein ganz gutes Jahr,

Und was nehme ich mir für 2024 vor? Vielleicht, noch bewusster auf solche Momente zu achten und sie mir ins Gedächtnis zu schreiben.
Dasselbe möchte ich auch Euch nahe legen — und Euch wünschen, dass Ihr kleines und großes Glück erlebt.