Via Gottardo 3: Wassen — Andermatt


Nach dem zweitägigen Vorgeplänkel hieß es heute „Butter bei die Fische“ bzw. „Luis in die Schluchten“ — ab jetzt wieder mit vollem Marschgepäck. Mit gespannter Vorfreude erwarteten wir die Schöllenenschlucht.

Kühler Anmarsch zur Schöllenen

Freundlicherweise hatten die Nachtgewitter für angenehme Kühle gesorgt, deshalb konnten wir heute entspannt und relativ spät in den Tag starten. Mit dem Bus waren wir um 8:00 Uhr in Wassen und folgten den Wegweisern Richtung Göschenen.

​Im Gegensatz zu den vorherigen Etappen begann es heute mit einem schmalen Bergpfad; manchmal etwas abenteuerlich, aber überall perfekt abgesichert. Immer wieder auf und nieder; mal über, mal unter der Bahnstrecke und der lärmenden Autobahn.

​Es war faszinierend: Inmitten herrlichster Natur ein ständiges Brummen und Tösen von LKW und PKW. Und sobald die Blechlawine in einem Tunnel eingesperrt war: Nur noch das Rauschen der Reuss und das Zwitschern der Vögel.

​Nach zwei Stunden sahen wir dann zwei schwarze Löcher: Am Bahnhof Göschenen werden die Züge vom Gotthardtunnel verschluckt und nach einer Viertelstunde in Airolo wieder ausgespuckt. Verrückt: Ich werde mindestens 50 Stunden brauchen, bis ich in Airolo bin.

​Vor mir lag die Schöllenenschlucht, dafür musste ich mich mit Kaffee und Nussstängli am Bahnhofsbistro stärken 😉 Aber es half ja nichts; da musste ich durch (und hoch).

Die Schöllenen: Höllische Baustelle und teuflische Brücken

Lustig: Direkt beim Abzweig in die Schlucht hält ein Schweizer (!) neben mir und fragt mich (!!), wie man schneller nach Italien käme: Über den Pass oder durch den Tunnel (!!!). [Klar, die Eidgenossen haben einen 16 Kilometer langen Tunnel durch die Alpen gebohrt, damit die langsamer nach Süden kommen. Die These, dass es keine dummen Fragen gibt, halte ich nach dieser Frage für diskutabel.]

Während sich der Verkehr zäh durch die Serpentinen quälte, kamen wir sehr gut vorwärts – trotz anstrengender Höhenmeter und einer endlosen Baustelle, bei der wir Gefahr liefen, mit einbetoniert zu werden. [BTW super Plot für einen Alpenmafiakrimi: „Wo ist denn Luigi geblieben?“„Der arbeitet jetzt als Steinschlagschutz in der Schöllenen.“]

​Ein paar Kurven später lag sie vor mir: Die legendäre Teufelsbrücke, die sich kühn über die tosende Schlucht erhob. Auch ohne teuflischen Beistand schafften wir es hinüber und gönnten uns eine kurze Pause auf der Teufelsbrückenrestaurantterrasse.

[Übrigens war das unsere zweite Teufelsbrücke auf dem Weg nach Süden. Die erste hatten wir 4 Monaten vorher erfolgreich auf unserer 4. Etappe der Via Jacobi überquert.]

Zurück zur „aktuellen“ Teufelsbrücke: Entspannt die Restaurant-Terrasse genießend wunderten uns über die genervten Automobilisten, die vor einer Baustellenampel warten mussten. Hocken faul (!) im klimatisierten (!!!) Auto und jammern über ein paar lächerliche Minuten (!!!), während der sich ihre Sitzgelegenheit nicht vorwärts bewegt…

[Man möge mich an diese Perspektive erinnern, falls mich irgendwann in Zukunft an derselben Stelle eine völlig überflüssige Baustellenampel boshaft ausbremst.]

Auch legendär: Das Urner Loch. Vor vierhundert Jahren eine Sensation als erster Alpentunnel — für Fußgänger und heute eine recht unspektakuläre Betonkammer mit Wendeltreppe. Allerdings: Luis fand die Wendeltreppe sehr spektakulär und ließ sich erst nach gutem Zureden überzeugen, eigenpfötig hoch zu steigen. Glück gehabt: Hund UND Rucksack hoch schleppen wäre keine gute Idee gewesen…

Früh an der Matt‘

Dem Urner Wendeltreppenloch entstiegen war ich baff: Nach der Enge der Schlucht lag jetzt eine großzügige Ebene vor mir – und mein Tagesziel Andermatt. So nah? So früh?

Sogar zu früh — viel zu früh zum Einchecken. Kein Problem, die Wartezeit ließ sich gut für einen kleinen Stadtrundgang nutzen. Nach den eher verschlafenen Orten der letzten Tage: Trubel und Gäste aus aller Herren Länder: Japaner, Russen, Chinesen, US-Amerikaner — und sogar ein paar Schweizer.

​Als zufälliges Schmankerl liegt mein Zimmer Richtung Süden. Für normale Gäste suboptimal (lärmende Straßenseite) –  aber perfekt für mich: Im Bett liegend kann ich mir meine morgige Strecke hinauf zum Gotthardpass anschauen. Sieht gut aus!

Und speziell für Luis gab es noch eine Spezialinfo nebst „Robidog-Säckli“. Sehr schöne Idee! Wenn er jetzt nur noch lesen könnte 😉

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