Nach Kalifornien mit Hund? Nur auf dem Landweg!


Was macht man, wenn man einerseits nach Kalifornien will, aber andererseits nicht auf seinen Hund verzichten möchte? Ganz einfach: Man reist auf dem Landweg an.

Luis auf der No-Fly-Liste

Wer über den „großen Teich“ will, kommt um’s Fliegen nicht herum. Es sei denn, er wünscht mit Hund zu reisen: Der darf nicht mit in die Kabine und muss halb sediert in einer Box als Frachgut mitfliegen.

Für Luis gar keine gute Idee: Sein erster und einziger Flug lange vor unserer Zeit steckt hat bei ihm nachhaltigen (und sehr negativen) Eindruck hinterlassen; das muss nicht wiederholt werden.

Kein Schiff wird kommen

Wer nicht fliegen will, kann schippern: Eine Alternative zur sedierten Luftfracht wäre die Schiffspassage – die große Distanz würde durch die lange Reisezeit erlebbar (und durch das luxuriöse Ambiente erträglich).

Allein, Zeit und Kosten korrespondieren nicht mit unseren Möglichkeiten, sodass eine Überfahrt mit Queen Eluisabeth oder ähnlichem ins Wasser fällt.

Der Weg bestimmt das Ziel

Wenn das „richtige“ Kalifornien nicht hundekompatibel erreichbar ist, dann sucht man sich halt ein alternatives Kalifornien, das man auf dem Landweg bereisen kann:

Nicht an der Westküste der USA, sondern an der Ostseeküste in der Nähe von Kiel. >> Schönberg / Kalifornien

Halbzeit in 1/2 r-Stadt

Damit hund noch mehr von Deutschland kennenlernt, war eine Zwischenübernachtung in Halberstadt angesagt: Im Verkehrsgewühl bis hinter Würzburg, dann entspannt auf weitgehend leeren Autobahnen durch den Thüringer Wald an das südliche Harztor bei Nordhausen. Nach einer beschaulichen Fahrt durch den Harz (das potentielle Extrem-Gassi-Gang-Terrain?) waren wir früh nachmittags am Zwischenziel.

As slow as possible

Ein unerwarteter Zufall: Just in Halberstadt findet das Orgelprojekt von John Cage statt, das den Titel „As slow as possible“ nicht zu Unrecht trägt. Das Stück hat eine Spieldauer von 639 Jahren. Ja, Jahre, nicht Stunden!

Der aktuelle Dreiklang aus dis‘, ais‘ und e“ ertönt seit 2013 und wird erst 2020 durch gis + e‘ abgelöst. Im Gegensatz dazu war es zu Beginn ziemlich hektisch, da änderte sich alle halbe Jahre der Klang….

As slow as possible, das müsste eigentlich auch ganz nach Geschmack von Luis sein. Er durfte sogar hinein in die ehemalige Kirche, doch dis‘, ais‘ und e“ sind offensichtlich nicht seine Lieblingstöne.

Schade. So musste er draußen warten, bis ich meinen Teil der 639 Jahre miterlebt habe. Vielleicht gefällt ihm gis + e‘ besser? Das können wir dann ab 2021 ausprobieren.

Abgesehen von dem „hihi wie lustig“ , „skurril“, „wer braucht denn sowas?“: Wie war es? Ich bin froh, es erlebt zu haben. Der kontinuierliche Klang in den alten Mauern, denen die Zähne der Zeit sichtlich zugesetzt hatten, hatte etwas Beruhigendes und Meditatives.

Und auf dem Rückweg zum Hotel hat man genügend Anregung, um über Zeit im allgemeinen und Hektik im besonderen nachzudenken.

Highway to hell bis California here I am

Der nächste Morgen begann mit einem Drive-by-Schlenker ins Welterbe Quedlinburg. Dort entschied ich mich gegen eine (vermeintlich) anstrengende Fahrt über Magdeburg /Schwerin / Lübeck und für eine (vermeintlich) entspannt-flotte Autobahn über Hannover / Hamburg / Kiel.

Nicht wirklich: Zu viel Verkehr auf verrotteter Infrastruktur; Mix aus endloses Baustellen, Tempo-80-Abschnitten, Staus und Unfällen. Da wünschte ich mir John Cage’s beruhigend-meditatives dis‘, ais‘ und e“ ins Autoradio…

Albhund I an Seehund II

Auch wenn ich es zwischendurch kaum noch zu hoffen wagte: Spätnachmittags konnten wir doch noch „Seehund II“ beziehen und mit Albhund I bei einen ersten, kurzen Strandspaziergang die erste Ostseeluft schnuppern.

Der weite Blick, der endlose Strand und die auf dem Horizont kriechenden Schiffe – wieder sehr beruhigend und meditativ. Und (bis auf die Schiffe) seit deutlich mehr als 639 Jahren.

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