Altmühltal mit Hund 5: Rund um Kipfenberg

Nach den zwei Vortagen mit weiterer Anfahrt ins Gassirevier sollte es heute etwas „heimatnäher“ und kürzer — zumal ich morgen ja sowieso wieder einige Stunden auf der Autobahn sein würde. Nach längerem Hin und Her wählte ich Kipfenberg und den „Schlaufweg 16“, der mehrere Highlights auf kurzer Runde verbindet. Und ein zusätzliches Highlight, das für mich typisch für die ganze Woche war.

„Schlaufenwege“ sind offizielle Altmühltalwanderwege als Alternative oder Ergänzung zum Panoramaweg. Zielgruppe sind diejenigen, die keine Streckenwanderung machen wollen — oder mangels ÖPNV dazu gezwungen sind, im Kreis zu laufen.

Der » Schlaufenweg 16 („Mühlenweg“) führt eigentlich in 25 km von Arnsberg nach Kipfenberg und wieder zurück; uns reichte heute aber knapp die Hälfte. Nach kurzem, steilen Aufstieg passierten wir die Burg Kipfenberg (ohne Besichtigung) und standen bald am geographischen Mittelpunkt Bayerns — wenn es nach Söder, Scheuer & Consorten ginge, eher Mittelpunkt der Welt.

Ein großer Stein, eine Tafel — das war’s? Ich war etwas enttäuscht, denn vom bayrischen Mittelpunkt hätte ich eigentlich mehr Dramatik erwartet; da war selbst die Mitte Baden-Württembergs bei Tübingen (» Bali-Pliezi 3: Wurmlingen — Pliezhausen) noch deutlich imposanter…

Auf launigen Waldwegen marschierten wir Zickzack durch den Wald und dann steil abwärts an den Kipfenberger Ortsrand. Am Hang oberhalb der letzten Häuserreihe erreichten wir bald den „Grünen Topf“, in dem Luis seinen Durst stillen und seine Pfoten kühlen konnte. Hier stand endlich auch ein Mühlrad, das den Namen des Schlaufenweges plausibel macht.

Luis hatte seinen Durst gestillt — und ich war neidisch. Doch wie fast immer in Franken: Kaum ist die Kehle etwas dehydriert, kommt ein geöffneter Biergarten um die Ecke. Mitten in Grösdorf lockte der » Blaue Hecht (und musste mich nicht lange locken).

Eine sehr gelungene und positive Überraschung, die die profane Wegeschreibung nicht erwarten ließ („Durch Grösdorf (Einkehrmöglichkeit) …“). Auch die Speisekarte las sich sehr lecker; leider war es dafür knapp 2 Stunden nach dem Frühstück noch zu früh.

So beschränkte ich mich auf Flüssignahrung und hatte danach ein Déjá-vue: Wie am Sonntag (Kinding) / Montag (Beilngries) / Mittwoch (Schiff) durfte ich auch heute mein Getränk sofort im Anschluss einen Anstieg hinauftragen. (Das war am Dienstag nur deshalb anders, weil der 13. Apostel nicht zuhause war und die Halbzeitpause ohne Getränk stattfinden musste.)

Premiere war hingegen, dass hier ein entscheidender Wegweiser gefehlt hat. Sonst sind die Wanderwege idiotensicher ausgeschildert — aber hier fehlte ein Linksabbiegerpfeil. Zum Glück wurde ich relativ schnell stutzig, bemerkte meinen Fehler und fand dank Outdoor active bald wieder zurück auf die 16-Schlaufe, die hier in den Altmühltal-Panoramaweg übergeht. Sehr angenehm zu gehen, schön schattig und hundepädagogisch wertvoll: 5 Buchstaben kann Luis jetzt schon, den Rest bringe ich ihm in den nächsten Urlauben bei.

Etwa eine Stunde nach dem Blauen Hecht stießen wir auf die Überbleibsel des Limes, denn wo heute die Mitte Bayerns ist, war früher das Ende des Römischen Reiches und der kultivierten Welt. Wie sich die Zeiten ändern. Ein paar Meter Palisaden erinnerten an die Trump’sche „Mauer“ — nicht nur optisch, sondern auf lange Sicht genauso sinnfrei und ebenso wenig von Mexiko finanziert…

Nach ein paar hundert Metern auf dem Limes muss ich zugeben, dass uns der gestrige Keltenwall mehr beeindruckt hat; fast ein halbes Jahrtausend älter und hat trotzdem deutlich stärkere Spuren hinterlassen.

Unsere Spur wandte sich an dieser Stelle von Schlaufen- und Panaromaweg ab und Kipfenberg zu. Dort musste ich feststellen, dass Luis‘ Schreib- und Lesefähigkeiten doch noch nicht so weit fortgeschritten waren wir erhofft. Eine kleine Kapelle schickt mich mit Gedanken über die eigene Vergänglichkeit („gewesener Oberschreiber“) auf die letzten Meter zu unserem Parkplatz.

Und statt keinem Mittagessen im Blauen Hecht gab’s am Abend Steinpilzrisotto zur fangfrischen Goldforelle – quasi als Abschiedsessen, denn morgen früh geht es wieder zurück nach Hause. Dessert? Wieder ein stimmungsvoller Sonnenuntergang auf der Abendgassirunde.

3 Kommentare zu „Altmühltal mit Hund 5: Rund um Kipfenberg“

  1. Es ist mir aufgefallen, dass die Espresso ☕️in Bayern, so aussehen wie in Italien. Ich hoffe doch, dass der Kaffee auch so italienisch lecker schmeckt wie an der Bar.
    Bier, Weisswein und ein gutes Mahl, was will man als Wanderer mehr. Dir weiterhin viel Spass 😎

    1. Nicht ganz so stark wie in 🇮🇹, aber das finde ich in Ordnung. Da kann man problemlos doppelte trinken, weil die länger heiß bleiben. Richtigen Espresso (oder gleich Ristretto) braucht mein Körper nur jenseits der Alpen. Aber wie ist es in 🇨🇭? In meiner Erinnerung waren die Espressi da schon sehr italienisch..

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