Alle Beiträge von Luis B. Perro

Via Jacobi 2019 II-2: Pont de la Glane — Avry-devant-Pont

Wanderer wissen: An manchen Tagen läufts, an anderen nicht so. Heute war ein Tag der zweiten Sorte, obwohl die Voraussetzungen gut waren: Perfekte Temperaturen und abwechslungsreiche Strecke. Doch der wahre Hammer kam erst, als wir die letzten Schritte hinter uns hatten.

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Regen bringt Segen

Morgens um 6 weckt mich Regengeplätscher — für mich ein gutes Zeichen: Ich konnte mir Zeit lassen, um das Ende des Regens abzuwarten. Und es würde den ganzen Tag frisch bleiben, sodass ich nicht in die morgendliche Kühle ausnutzen muss.

Also gemütlich herumtrödeln, gemütlich zusammenpacken, zum Bahnhof schlendern und mit dem Bus zur Pont de la Glane fahren.

Zur Abbeye Hautrive

Gestern gingen wir unter der Brücke durch, heute oben drüber. Die Wälder waren noch regennass, manche verspäteten Tropfen tropfen von den Blättern ins Genick.

Wir blieben auf der Höhe (was ich da noch nicht zu schätzen wusste) und kamen weitgehend eben nach Grangeneuve, dort hinab an die Saane und in die Abbeye Hautrive.

Die Kirche war unerwartet finster, allein das farbenfrohe Fenster bringt Schmuck und Glanz ins Innere. Eine Tür weiter forderte das Wort Creche meine Französisch-Kenntnisse und meine Neugier heraus. Doch es war nicht „bloß“ irgendeine Krippe, sondern eine ganze Reihe detailverliebter Dioramen mit unglaublicher Tiefenwirkung. Sehenswert!

Kilometer oder Höhenmeter?

Statt den ausschweifenden Schleifen der Saane zu folgen, entschied ich mich hinter der Abtei für eine Abkürzung — wohl wissend, dass ich mir dadurch etliche Höhenmeter einfange: Wer den Flusslauf ignoriert, muss aus dessen tiefem Tal hinaus.

Was ich mir als kurzen, sportlich absolvierten Anstieg vorstellte, war überraschend mühsam. Warum? Keine Ahnung. Für einen kurzen Kraftschub griff ich zum legendären Brezelkönig-Salamilaugenbaguette, das schon in Locarno, Zürich und Thun/Wattenwil energetische Wunder vollbracht hatte.

Noch einmal würde ich die Saane queren müssen. Nochmal ganz hinab und auf der anderen Seite wieder hoch?! Nein, denn zum Glück haben die Straßenplaner hier eine Hochbrücke über die Schlucht nach La Truffiere gestülpt.

Nach Rossens wählten wir die direkte Strecke über Corpataux. Weitere Hohenmeter und Straßenwanderung waren der Preis dafür, schnell in Rossens und am Lac de La Gruyeres sein zu wollen.

Versöhnung mit Rossens

Von Rossens kannte ich bisher nur ein Hotel, das mich zum Um Planen meiner Etappen zwang.

Heute hat es sich von der besten Seite gezeigt: Hunger und Durst verlangten nach Abhilfe — und eine Fromagerie stellte sich an meinen Weg. Ich würde sehr freudig begrüßt und der tres gentil chien gelobt, der brac draußen vor der Tür wartete.

Das Käseangebot war verlockend, doch mir war nach Herzhaftem. Mit mühsamen Französisch fragte ich rhetorisch nach pain — und erfuhr, dass nur ein paar Meter eine Gasse hinauf eine Boulangerie sei.

Auch dort sehr netter Empfang. Und Empanada! Hier!! Mitten in der schweizer Pampa!!!

Achterbahn am Käsesee

Wenige Minuten später: Ich biege um die Ecke, zum ersten Mal scheint heute die Sonne — und lässt das kühle Grün des Lac de la Gruyere erstrahlen. (Die Sonne war zwar gleich wieder weg, aber dieser kurze Show-Effekt war cool.)

Runter zur Staumauer und bei der erstbesten Gelegenheit den Einkauf aus der Boulangerie „verarbeiten“…

Schön gemütlich am See entlang? Nichts da! Der Wanderwege am Lac de La Gruyeres glich einer Achterbahn: Immer wieder hoch und runter und hoch und runter und hoch und runter und…

Wenn ich einen Berg hoch gehe, weiß ich, wann ich oben bin und fertig. Aber hier lauert hinter jede Abstieg auf Wasserniveau die nächste Steigung. Jeweils nur 10 oder 25 oder 50 Meter hoch, aber die Anzahl war erschöpfend und zermürbend.

Man merkt, dass dies kein „natürlich gewachsener“ Weg ist, sondern eine dieser Designer-Strecken, die so kein vernünftiger Mensch gehen würde. Umso mehr überrascht der Mangel an Sitzgelegenheiten: Auf vier Kilometer kein einziges Bänkchen, nicht mal ein Baumstumpf. Dann auf 500 Metern eine wahre Bankenschwemme, dann wieder nada.

So fuhren auch Motivation und Energie Achterbahn. Ich fühlte mich wie ein alter Laptop, der unter Höchstlast läuft, obwohl er nichts Besonderes zu leisten hat.

Aber schön war der Weg eigentlich doch 😉

Der Ziel-Hammer

Nach der ganzen Mühsal freute ich mich auf das „verkehrsgünstig gelegene“ Zimmer mit Seeblick. Doch was ich da erleben musste…

… möchte ich mit Rücksicht auf zart besaitete Leser nicht näher ausführen. Nur so viel: Das zweite Zimmer war akzeptabel. Und die Boulangerie im Ort die letzte Rettung, nachdem ich im Hotel nicht zu speisen wagte. So kam ich noch zu einem aussichtsreichen Abendbrot.

Ausblick auf morgen

Schnell weg hier. Auch weil es sonnig und warm werden soll. Es sind nur 16 Kilometer bis Gruyeres — wobei ich mit dem „nur“ nach dem heutigen Tag vorsichtig bin…

Via Jacobi 2019 II mit Hund: Die Etappen

Vorgestern waren Unterkünfte und Packliste geklärt; heute sind auch die letzten Vorbereitungen erledigt: Die Packliste ist abgearbeitet und die finale Etappenplanung steht. Ist von meinen ersten Ideen (» Via Jacobi im Juli is(s)t Käse) noch etwas übrig geblieben? Radio Eriwan würde antworten: Im Prinzip ja, aber… Via Jacobi 2019 II mit Hund: Die Etappen weiterlesen

Via Jacobi mit Hund 2019 II: Unterkünfte & Packliste

Was sich normalerweise über Wochen hinzieht, musste diesmal ganz schnell gehen: Der Termin stand lange fest und die Woche war längst freigeschaufelt, doch nach der Hitzewelle im Juni musste ich die Temperaturprognosen für den Juli abwarten. Letzten Freitag fiel die Entscheidung „Yes, we can“, bereits zwei Tage später war die Planung komplett. Das Ergebnis kann sich sehen (und bezahlen) lassen. Via Jacobi mit Hund 2019 II: Unterkünfte & Packliste weiterlesen

Via Jacobi im Juli is(s)t Käse

Nach dem Jakobsweg ist vor dem Jakobsweg. Deshalb habe sofort nach der Rückkehr aus Fribourg den nächsten Urlaub eingereicht. Der Termin war sorgfältig ausgewählt und durchdacht — und doch ist wieder alles ganz anders. Wahrscheinlich wird die nächste Wanderwoche ziemlich Käse (und sehr wenig Jakob). Via Jacobi im Juli is(s)t Käse weiterlesen

Wundern in Bern [fast ohne Worte]

Im März hatten wir auf der Via Jacobi die halbe Schweiz durchquert und unter anderem den Kanton Bern passiert. Jetzt — Mitte Juni — kehrte ich zurück: Mitten hinein nach Bern, in ganz anderer Mission und deshalb ohne Hund. Obwohl: «Virtuell» war Luis doch zugegen und hat unfreiwillig einen kleinen Beitrag zum Gelingen geleistet.

Zeit für ein weiteres «Wunder von Bern*»? Warum auch nicht! Das historische Wunder ist fast auf den Tag genau 65 Jahre alt und kann sich nun beruhigt den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Zum Wundern gibt es auch heute noch genug Anlass. 😉

* Achtung: Nicht verwechseln mit dem » Wundern von Bärn!

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