Via Jacobi 2022: Versoix — Coppet (mit Hund)

Was sogar viele erfahrene Pilgernde nicht wissen: Mit Hund ist der Wandertag nicht zu Ende, wenn man das Ziel erreicht hat. Deshalb bedeutet ein Ruhetag auch, dass man nicht den ganzen Tag ruht, sondern trotzdem auf der Via Jacobi unterwegs sein kann. Heute war das zugleich ein Test, was morgen (vielleicht) möglich ist.

Egal wie lang die „offizielle“ Etappe war: Am Abend braucht hund einen Versäuberungsgang. Der kann einem nochmal 1 bis x Kilometer auf den Zähler addieren, bis hund den passenden Versäuberungsort gefunden hat. Nach einem über 30-Kilometer-Tag ist das besonders anstrengend, aber zum Glück sind solche Gewaltmärsche sind heutzutage ja nicht mehr unser Thema. [Ich sollte mal ausrechnen, wie weit ich schön wäre, wenn ich diese Extra-Kilometer nicht „um den Block“, sondern Richtung Santiago marschiert wäre.]

Aufgrund des trübseligen Wetters und schlechter „Performence“ gestern musste ich heute nochmal einen Ruhetag einlegen — aber Ruhetag mit Hund bedeutet eben nicht, den ganzen Tag in der Unterkunft herumzulungern.

Deshalb kann jeder in den Tag hineininterpretieren, was er darin sehen möchte:

  • Für Luis war es ein überdimensionierter Morgengassigang.
  • Für mich war eines eine Wanderung auf dem Jakobsweg — wenn auch sehr kurz und in der falschen Richtung.

Kurz nach 10 Uhr waren die Regenschauer durch und wir auf dem Weg aus Versoix Richtung Nordosten. Der Weg bis zur Stadtgrenze durch Mini-Parks und begrünte Hinterhöfe war überraschend „naturnah“.

Spätestens am Ortsende war es damit vorbei, der Weg nach und durch Mies war auch so, nämlich an der viel befahrenen Straße entlang. Sehr freundlich hingegen war der „Flagman“, der für mich und hund extra den Verkehr anhielt, als ich gezwungenermaßen durch seine einspurige Baustellen musste.

In Thanney fand ich ein steinalten Beweis, dass ich noch auf dem richtigen Weg war — und den Gasthof Lion d’or, der im März 2020 als letzte Unterkunft eingeplant war. Wie ich jetzt gesehen habe, wäre das damals eine sehr gute Wahl gewesen. Heute scheint es mir utopisch, von dort in einem Tag und vollem Gepäck bis Genf gehen zu wollen.

Am Ende von Thanney verließen wir die Via Jacobi schon wieder; rechts abbiegen und hinab nach Coppet — unter den Bahngleisen hindurch, an Bahnhof und Chateau vorbei, durch ein paar lauschige Gässchen bis an die „Hauptstraße“ und ihren Laubengang. Dort kam fast italienisches Flair auf.

Noch italienischer und alternative war das Mittagessen im » Little Italy. Das zweite Restaurant im Ort war Interdit pour chiens und der 7/7-ouverte-Imbiss am Hafen hatte geschlossen. Wahrscheinlich ist der Betreiber ein Mathematiker und meint mit 7/7 = 1, dass nur ein Tag in der Woche geöffnet ist.

Eine Pizza Orientale, 0,0 Heiniken, double Espresso und ein Schokocroissant später war ich wieder kräftig genug, um den leichten Anstieg zum Bahnhof zu bewältigen.

Die SBB-App war wieder online, der Zug gleich da (15-Minuten-Taktung) und Luis etwa 10 Minuten später in seinem Körbchen in Versoix.

Fazit des Tages: Luis hatte seinen Gassigang und ich meine Via-Jacobi-Wanderung. Außerdem hatte ich die Bestätigung, dass Luis noch / wieder gut zu Fuß bzw. Pfote ist.

Das gibt Hoffnung, dass wir unsere Woche am Genfersee morgen doch noch mit dem » Sentier des Toblerones abschließen können. Ich bin vorbereitet:

4 Kommentare zu „Via Jacobi 2022: Versoix — Coppet (mit Hund)“

  1. Danke für den schönen Bericht. Da war ich auch, aber in der Richtung nach Santiago. Die Wegführung bei Mies an der Straße fand ich auch blöd und im Lion d‘Or habe ich Kaffee getrunken. Meinst du den Sentier de Toblerones be Gland?Wenn ja, unbedingt hingehen. Ist toll!

      1. Ein echtes Highlight war übrigens auch meine Übernachtung im wunderschön über dem See gelegenen Château Bossey mit leckerem Selbstbedingungs Abendmenue für 20 CHF (!). Aber das kommt für euch wohl nicht in Frage. Der Jakobsweg zur Grenze führt durch Carrouge, das italienische Viertel, fand ich auch schön, am besten natürlich bei schönem Wetter, wenn man auf einer Caféterrasse sitzen kann.

      2. Das Chateau Bossey hatte ich auch auf dem Radar, nimmt aber keine Hunde. Generell ist die Auswahl an günstigen Übernachtungen mit vierbeinigem Begleiter stark eingeschränkt. Positiv: man muss sich nicht zwischen so vielen Alternativen entscheiden 😀

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