Via Cannobio 2: Lavorgo — Biasca


Die heutige zweite Etappe sollte die anspruchsvollste werden. Zu unserer großen Freude war sie nicht nur die anspruchsvollste, sondern auch in jeder Hinsicht perfekt.

Perfekter Start von Lavorgo nach San Pellegrino

Heute startete der Tag mit einem kleinen, aber feinen Frühstück im Hotel. Überhaupt das Hotel Defanti: Solide saubere Zimmer, eigenes Bad, sehr netter Chef — genau das Gegenteil der unsäglichen Absteige in Faido und obendrein noch günstiger.

 

Ebenso perfettto das Wetter: Keine einzige Wolke am Himmel, die schneebedeckten Gipfel strahlten um die Wette. Auch die Wegstrecke war dieses Mal eine wahre Freude: Durch nette kleine Dörfer, schöne Naturpfade, weitab von der lärmenden Autobahn mit schönen Ausblicken ins Tal. Da nahm ich die Höhenmeter gerne in Kauf.

In Chironico bestaunten wir den Torre dei Pedrini; an der Pilgerkirche San Pellegrino legten wir eine längere Pause ein. Weltwasserhandel einmal umgekehrt: Kein San Pellegrino im Schwabenland, sondern Imnauer Fürstenquelle bei San Pellegrino.

ZMittag-Nervenkitzel in Giornico

Ich hatte auf der Teilstrecke bis Giornico extra lange herumgetrödelt, um dort „zufällig“ zur Mittagszeit einzutreffen. Der Plan ging voll auf, allein die Suche nach einer geöffneten Gaststätte gestaltete sich spannender als erwartet. Chiuso, Urlaub, keiner da… „Dann eben nicht“, dachte ich ich, wollte ich mich wieder auf den Weg machen — und vorher nur noch kurz auf eine Straßenbrücke, um ein Abschiedsfoto des Städtchen zu machen. Und siehe da: Genau an jeder Brücke lockte ein Wegweiser zur Trattoria La Pergola, die uns dann mit köstlichen Tessiner Spezialitäten bewirtete.

Höhenmeter mit Belohnung: Faidàl

Mit Polenta-Power musste ich dann nicht mehr lange überlegen, ob ich die mit Höhenmetern gespickte Strada bassa (harhar) oder den bequemen, aber autobahnnahen Weg in der Talsohle gehen würde.

Relativ schnell zweifelte ich allerdings, ob das wirklich eine gute Entscheidung war: Eine ewig lange Treppe aus Natursteinen wollte nicht enden; 100, 200, 300 Höhenmeter schnurstracks bergauf. Giornico verwandelte sich in eine Modellbahnstadt — erst in Spur H0, dann Spur N, dann Spur Z.

Warum tut man sich das an? Wozu hat Gott die Täler geschaffen und der Mensch die Eisenbahn erfunden?

Weil man reich belohnt wird: Ermunterndes Vogelgezwitscher, große Aussicht, lustige Kleinode (wie ein Briefkasten mitten im Nirgendwo, der genau einmal im Jahr, nämlich am 1. Juli, geleert wird). Und im Schnee herumtollen.

Zweieinhalb Stunden nach der Polenta hatten wir den Höhepunkt erreicht, das kleine verschneite Faidàl mit einer sonnenbeschienenen Holzbank. Großartige Location für eine längere Pause und um über unser Wetterglück zu sinnieren: Bei schlechter Sicht, Regen oder gar Schneefall hätte ich diese Bergtour kurz nach dem Start abgebrochen und doch die Warmduschervariante im Tal genommen..

Runter kommen sie immer: Abstieg nach Biasca

Nach 500 m Aufstieg lagen jetzt 700 m Abstieg vor uns. Das Hinunter war zwar anders, aber nicht weniger anstrengend als Hinauf — doch nach einer Stunde hatten wir es geschafft und Personico mit seinen Felskellerhäusern erreicht, die den allgegenwärtigen Grotti ihren Namen gaben.

Die restliche Strecke nach Biasca war topfeben und fand überwiegend auf geteerten Straßen statt. Doch das war mir jetzt egal, weil wir so auf unserem Schlussspurt schnell vorwärts kamen, ohne uns auf Steinstufen, Geröll, Schnee und Eis (ich) bzw. Rehe und Eichhörnchen (Luis) konzentrieren zu müssen.

Erschöpft, aber stolz auf das Geleistete, erreichten wir das Hotel al Giardinetto in Biasca.

Warum ich wegen Barbara Streisand eine Gorgonzola-Pizza essen musste

Beim Einchecken durfte ich eine Variante des Streisand-Effekts erleben: Der Rezeptionist erwähnte, dass der Hund ins normale Restaurant dürfe, aber nicht in die Pizzeria. Genau diese Information löste bei mir sofort unbändige Gier nach Pizza aus.

Deshalb aßen wir fremd und haben mit der Pizzeria Pomodoro einen guten Fang gemacht: Pizza Gustosa (Tomaten Schinken Gorgonzola). Flott serviert, sodass wir unsere müden Beine und Pfoten bald wieder im Hotel lang machen konnten.

Tagesbilanz: 21,5 Kilometer, 921 Höhenmeter, 8,1 Stunden
Gesamtbilanz ab Faido: 29,9 Kilometer, 945 Höhenmeter, 10 Stunden

Ein Gedanke zu „Via Cannobio 2: Lavorgo — Biasca“

  1. Euer karges Abendessen am Vortag erinnert mich an die (Pilger)redewendung, wonach nach jeder schlechten Etappe ein neuer Tag und meistens eine gute Etappe kommt. Noch einen schönen Weg, LG

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