Via Cannobio 4: Bellinzona — Locarno


Heute sollte ich den Lago erreichen. Die Strecke von Bellinzona nach Locarno versprach nicht allzu spannend zu werden, doch diese Befürchtung erfüllte sich zum Glück nur teilweise. Und wie so oft: Das Beste kam zum Schluss.

Start mit MB und BM: Montebello und Bircher Müesli

Der Morgen begann, wie der Abend gestern geendet hat: Mit einem Spaziergang auf den Montebello, wo ich mich überzeugen konnte, dass der Lago immer noch da ist. Glück gehabt!

Nach einem sehr guten Frühstück mit frischem / nahrhaftem / leckerem Bircher Müesli starteten wir um 9 Uhr durch die Altstadt von Bellinzona; dank Garmin waren wir auch sehr schnell wieder am Ufer des Ticino.

I’ll do it my way: GPS-Tracks statt Via Gottardo

Apropos Garmin: Heute verließen wir die offizielle Route 7 von wanderland.ch. Bis gestern konnte ich mich an der Via Gottardo orientieren, die mich vom Vierwaldstättersee, durch die Schöllenenschlucht und über den Gotthardpass bis nach Bellinzona geführt hatte. Jetzt hieß es eigene Wege einschlagen: Die Via Gottardo geht weiter Richtung Lugano und Chiasso, mein Ziel für heute war jedoch Locarno. Deshalb musste ich hoffen, dass meine zu Hause ausgeknobelten GPS-Tracks in der Realität genauso gut waren wie auf dem Monitor.

Die ersten 5 km am Ticino waren — wie erwartet — wenig abwechslungsreich, aber okay. Ich wusste ja, was mich erwartet.

Ein gudo Idee: Panoramaweg mit Schnee- und Lagosicht

Nach einer guten Stunde wechselten wir über die Ponte di Gudo auf die andere Ticino-Seite. Dort hätten wir einfach nur der Veloroute 31 folgen müssen und wären dann irgendwann in Locarno gelandet. Kilometer um Kilometer auf einem Radweg abspulen? Hmmm…

Da traf es sich hervorragend, dass die Comune Gudo eine Infotafel aufgestellt hat, auf der ein Panoramaweg eingezeichnet war. Panoramaweg? Klingt gut, auch wenn damit einige Höhenmeter fâllig waren.

Tatsächlich war das eine gelungene Abwechslung: Schicke Häuser, schicke Aussicht. Viel besser als der eintönige Radweg im Talgrund. Besonders skurril: Hinter mir Weinreben, vor mir der verschneite Gipfel des Monte Tamaro.

 

Langsam langsam verlor der Panoramaweg an Höhe, bis wir in Cugnasco wieder auf den ursprünglichen Radweg stießen. Nun hieß es Kilometer abspulen, daran führte kein Weg vorbei.

Bolzengerade Eintönigkeit, staubtrockene Backwaren und eisige Überraschung

Durch flottes Tempo versuchte ich, das Notwendige so schnell wie möglich hinter uns zu bringen — Hunger trieb mich voran, das Bircher Müesli war offensichtlich abgearbeitet.

Leider gab es in den „Außenbezirken“ von Tenero weder weit noch breit etwas Essbares; einzig ein merkwürdiger Brötchenverkaufsautomat mit sehr komplexer Usabiliy stand am Wegesrand. Mit einigem Gebastel konnte ich ihm ein knochentrockenes Brötchen entlocken. [Bisher geglaubt, fresco würde sinngemäß so etwas wie „frisch“ bedeuten.] Der Hunger war etwas reduziert, der Durst dafür umso größer.

Wie so oft kommt Hilfe, wenn man es am wenigsten erwartet: Die überraschende Gelateria Veneta di Giorgio Benedetti war Anlass, die Eissaison 2018 offiziell zu eröffnen und meinen Getränkevorrat aufzufüllen.

Einst ging ich am Ufer des Lago entlang

Wenige Minuten später war ich tatsächlich am Ufer des Lago Maggiore angekommen — innehalten (ich), freuen (ich), hineinspringen (Luis).

Auf der restlichen Dreiviertelstunde herrschte reger Verkehr: Radfahrer, Fußgänger, noch mehr Radfahrer, noch mehr Fußgänger, Rollerblader, Fußgänger und Radfahrer.

Frank Sinatra mit Seeblick und Leckerli

Das war jetzt auch egal, denn das Hotel Millenium in Locarno war nicht mehr weit — und die beste Überraschung des Tages:

  • Direkt an der Uferpromenade
  • Unnötig großes Zimmer
  • Balkon
  • Traraa: Seeblick!

Das war noch besser als gestern (wobei das Croce Federale in Bellinzona ja nichts dafür konnte, dass es nicht am Seeufer steht und „nur“ auf ein Welterbe der UNESCO blickt).

Übrigens: Im Hotel haben die Zimmer keine Nummern, sondern Namen. Meines hieß Frank Sinatra — ganz passend für die heutige Etappe abseits offizieller Wanderwege, denn I did it my way.

Luis findet das Hotel mindestens fünf Sterne wert, wenngleich aus anderen Gründen: Beim Einchecken hat der mit seinem Ibero-Caniden-Chame zwei Leckerli von der freundlichen Dame hinter dem Tresen abgezockt — und später noch eins vom Chef persönlich. Und jetzt bekomme ich Luis kaum noch an der Rezeption vorbei. Anschließend noch Futternapfleeren mit Seeblick — tutti e bello für den Bello.

Wer die Wahl hat, hat die Panini

Mein Abendessen war hingegen kurz, schmerzlos und unaufgeregt, denn

  1. hat mich die riesige Auswahl in Locarno überfordert
  2. wollte ich möglichst wenig Zeit verlieren, die ich nicht im Hotelzimmer sein kann.

Deshalb gab es zwei schnelle Panini vor einer etwas merkwürdigen Bar: Zeit gespart und Budget geschont. Zudem werde ich morgen kaum Hunger leiden müssen, weil ich — wenn ich genug trödle — zur Mittagszeit in Ascona sein werde.

Insgesamt wird es morgen deutlich gemütlicher als die letzten beiden Tage: Die Distanz nach Brissago ist deutlich kleiner, sodass ich zu Beginn noch einen Umweg über die Madonna del Sasso machen werde. Oder auch nicht — hängt davon ab, wann ich mich vom Hotelzimmer trennen kann.

Tagesbilanz: 22,1 Kilometer, 160 Höhenmeter, 6,1 Stunden
Gesamtbilanz ab Faido: 81 Kilometer, 1473 Höhenmeter, 23,1 Stunden

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