Neckarweg XIII: Neckarweihingen — Lauffen am Neckar


Immer noch: Hessigheimer Felsengärten
Hessigheimer Felsengärten

Anfang September und immer noch „Hot town, summer in the city“. Dank frühem Start, guter Wege und einem guten „Lauf“ absolvierten wir — mehr spontan als geplant — eine Monsteretappe, die wir vermutlich nicht mehr übertreffen werden.

Bilder, Highlights, Zahlen, Daten, Fakten am Ende dieses Artikels. Übersicht + alle GPS-Tracks für den Neckarweg hier. Alle Artikel der Kategorie “Neckarweg” hier.

Neckarweihingen — Benningen

„Im Frühtau zum Neckar wir ziehen“, so hieß das Motto an diesem Tag. Gut gelaunt und hoch motiviert ignorierten wir gleich zu Beginn den offiziellen Neckarweg: Statt über die viel befahrene Neckarbrücke querten wir den Fluss auf der Lucien-Tharradin-Brücke, die Fußgängern vorbehalten ist und besser zu entspannten Morgenruhe passte.

Neckarsteg Neckarweihingen
Neckarsteg Neckarweihingen
Marbach -- leider auf der falschen Neckarseite
Marbach — leider auf der falschen Neckarseite

Angenehmer Schatten, morgenfrische Luft, die Kühle des nahen Wassers — das machte richtig gute Laune. Die ließ ich mir auch nicht nehmen, als ich kurz später eine Abzweigung verpasst hatte. Also weiter fröhliches Neckarweg-Ignorieren: Ebener, schattiger Uferweg statt Schwitzen in sonnigen Rebenhängen.

Flott und kühl ging es vorwärts, für kleine Abwechslungen sorgten ein etwas anderer Gummi-Automat (für Neckarradwegradler), der Blick auf Marbach (für Schiller-Fans), eine Eisenbahnbrücke (beeindruckende 335 m lang) und ein Brunnen in Benningen (in dem Luis einen Durst stillen konnte).

Benningen — Pleidelsheim — Ingersheim

Rückblick auf Benningen
Rückblick auf Benningen

Nach Benningen hieß es dann „Schluss mit eben und schattig“. Wir durften einen schattenfreien Südhang erklimmen, um dann oberhalb der Benninger Weinplantagen ganz grob dem Neckarlauf zu folgen. Leider entging uns dabei der Russische Friedhof Pleidelsheim, weil der Neckarweg knapp daran vorbei führt und ich ihn erst im Nachhinein auf einer Karte entdeckt habe. „Highlights“ waren stattdessen der Rückblick auf Benningen, eine weniger nette Begegnung mit einem denkbefreiten Hundebesitzer sowie der Klangteppich, den die 6-spurige A 81 über die Landschaft legt.

Hauptstraßenwandern nach Ingersheim
Hauptstraßenwandern nach Ingersheim

Schnell war Pleidelsheim erreicht und ohne besondere Vorkommnisse durchquert, um über den Neckar ins Zentrum von Ingersheim zu wandern. Schade, dass diese Strecke komplett an der stark befahrenen Hauptstraße entflang führte.

Die Wegführung von Benningen nach Ingelsheim wird nicht als Highlight in meine persönlichen Neckarweg-Annalen eingehen. Folglich erreicht wir das „Zentrum“ von Großingersheim leicht gestresst bis genervt, entspannten uns aber schnell im Dorfbrunnen (Luis) bzw. beim Dorfmetzger (ich).

Ingersheim — Hessigheim

Kleiningersheim - der Name ist Programm
Kleiningersheim – der Name ist Programm

Dergestalt entspannt machten wir uns auf den Weg von Groß- nach Kleiningersheim, das sich als angenehmes Gegenteil präsentierte: Ruhig, beschaulich, ein kleines Schloss (in Privatbesitz), schöner Blick hinab (auf den Neckar) und sehr hilfsbereite Passanten (die mich ein wenig vom rechten (Neckar-) Weg abbrachten).

Doch bald hatte uns der offizielle Weg wieder und führte durch weitere Weinberge, Obstwiesen und (endlich!) in kühles, schattiges Gehölz. Diese freudig-kühle Überraschung währte zwar nicht lange, aber da hatten wir schon das nächste Ziel vor Augen: Hessigheim.

High noon in Hessigheim
High noon in Hessigheim

Unglücklicherweise war meine Sonnencreme diversen Rucksack-Umpack-Aktionen zum Opfer gefallen — ganz schlecht an einem Tag mit geschätzten 16 Stunden Dauersonnenschein. Daher hetzten wir im Eiltempo nach Hessigheim und erreichten wenige Sekunden vor High Noon einen winziges Lädchen, das alles hat. Damit war meine Marathon-Etappe gerettet! Ich hinterließ eine sichtlich irritierte Kassiererin, die sich wunderte, warum man sich über eine Sonnencreme dermaßen freuen kann.

Hessigheimer Felsengärten

Frisch gecremt, dem sicheren Sonnenbrand entronnen, verließen wir Hessigheim. Genauer: … trotteten wir aus Hessigheim hinaus. Hunger und Durst und Körper verlangte nach einer Pause, es wollte sich aber partout kein geeignetes und schattiges Plätzchen zeigen. Vorbei an der Felsengartenkellerei, schon wieder durch Weinberge, dann auch noch ein schmales, steiles Steintreppchen hinauf. Puh!

Unfreiwillig hatten wir ohne Zwischenstopp die Hessigheimer Felsengärten erreicht. Zur Belohnung ließen wir uns hier einfach „fallen“ und genossen das großartiges Panorama zu unseren Füßen.

Panorama aus den Hessigheimer Felsengärten
Panorama aus den Hessigheimer Felsengärten

Es war perfekter Platz für einen stolzen Rückblick auf die absolvierte Strecke und neugierige Erwartung auf das Kommende.

Weiter nach Neckarwestheim

Das Kommende war weitgehend baumlos, außerdem gingen Luis‘ Wasservorräte allmählich zur Neige. Daher musste ich den Weg nach Neckarwestheim hitzetechnisch optimieren: Anhand der Topo-Karte hangelten wir uns auf möglichst direkter Strecke von Wäldchen zu Wäldchen.

Risikosportart Neckarwandern?
Risikosportart Neckarwandern?

Freude macht der offzielle Weg über den Golfplatz bei Schloss Liebentein: Das erste (und vermutlich einzige) Mal, dass Luis legal auf einen Golfplatz darf. Fliegende Bälle gab es übrigens keine (wer will bei diesem Wetter golfen?). Liegende Bälle gab es umso mehr, waren für Luis aber uninteressant (wer will bewegungslose Bälle jagen?).

Zielgruppengerechte Bar-Benennung
Zielgruppengerechte Bar-Benennung

Enttäuschung dann in Neckarwestheim: Gut genährt durch EnBW und Kernkraftwerk — und doch kann sich die Gemeinde nur einen Brunnen leisten, in dem altes Brackwasser zum Himmel stinkt. Selbst Luis wendete sich angewidert ab und verzichtete trotz weit aus dem Hals hängender Zunge. Ärgerlich, dass ich wegen dieser übelriechenden Brühe einen unnötigen Umwege in die „Orstmitte“ in Kauf genommen habe. In zwiespältiger Erinnerung blieb auch die „Uraniumbar“, in der  Kernkraftwerker offensichtlich Zerstreuung suchen (und finden).

Deshalb nichts wie weg…

Neckarwestheim — Lauffen am Neckar

Nach dem unnötigen Neckarwestheim eilten wir so schnell wie möglich an den Neckar — und einer der zwei Wanderer war Sekundenbruchteile später im Neckar. Ich beschloss, diesen Fluss heute nicht mehr zu verlassen, damit ich Luis alle paar hundert Meter ein erfrischendes Bad gönnen kann. Das nutzte er auch gerne — bei Dauersommersonne ist ein schwarzes Fell eben nicht die optimale Wanderbekleidung.

So ersparten wir uns einen weiteren merkwürdigen Neckarweg-Abstecher in den Rebenhänge und kamen umso schneller am Lauffener Rathaus an. Das erwies sich zwar als Sackgasse, war aber eine würdige Location, um den Tag Revue passieren zu lassen.

In Lauffen hat sich's ausgelaufen
In Lauffen hat sich’s ausgelaufen

Und nach sensationellen 35,8 km unter hitzig-widrigen Wanderbedingungen erreichten wir erschöpft und stolz den Bahnhof Lauffen. Ich hätte ja noch weiter gekonnt, aber der Hund wollte nicht mehr 😉

Bilder dieser Etappe

Die 4 Highlights dieser Etappe

  1. Morgendliche Kühle und Ruhe am Neckar: Wieder einmal war ich angenehm überrascht und das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Weitgehend unbehelligt von Hitze und Trubel konnten wir auf den ersten Kilometern einen entspannten Start in den Tag genießen.
  2. Hessigheimer Einzelhandel: Mein logistischer Faux-pas konnte in Hessigheim unerwartet korrigiert werden. Das Lädchen ist winzig klein, hat aber anscheinend alles — auch Sonnencreme. Danke für die Rettung meiner Marathon-Etappe bei Sommersonnenwetter!
  3. Hessigheimer Felsengärten: Hier schuf der Neckar eine riesige Freiluftbühne. Genau das richtige für eine ausgiebige Pause in angenehmen Mikroklima und großartiger Sicht über das Neckartal und Besigheim.
  4. Lauffener Rathaus: Eine ehemalige Burg auf schmaler Flussinsel mit schönem Blick auf die gegenüberliegende Regiswindiskirche. Ein perfekter Ort, um auf heutigen 35 km stolz zu sein (und Kraft für den letzten Kilometer zum Bahnhof zu tanken).

Zahlen, Daten, Fakten

  • Streckenlänge: 35,8 (!) km
  • Höhendifferenzen: +588 / -622 m
  • Bus / Bahnhof: Neckarweihingen Neckarbrücke / S-Bahn Lauffen
  • Track hier als GPX-Datei oder hier als KMZ-Datei herunterladen
  • Gesamtbilanz: 13 Etappen, 274 km, 5550 Höhenmeter, 47 Neckarquerungen, entspricht 44,5 Sochatoatn

Hinweis für Statistik-Fans: Das war die bisher längste Etappe (und wird es vermutlich auch bleiben).

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