Die Schlusspointe: Echte Tickets für Fake-Verbindung

„Nur die Harten kommen in den Garten“ und nur die Hartnäckigen kommen mit dem Zug: Während die Reisevorbereitung für den PKW ca. 20 Sekunden dauert (S-T-A-N-S ins Navi eingeben, Fahrzeug starten, losfahren), wird die Kombination aus Bahn, Hund und Fahrkarte zu einem » Drama in 8 Akten. Doch wer glaubt, das Drama sei damit beendet, kennt die Deutsche Bahn nicht. Als Zugabe zum Ticket gab es eine Schlusspointe, die sogar erfahrungsgestählte DB-Kunden überrascht.

Was bisher geschah

Das diesjährige Extremgassiprojekt Via Jacobi 2019 beginnt mit der Anreise nach Stans, südlich von Luzern, in der Nähe des Vierwaldstättersees. Per PKW wäre es zwar 20% billiger, 40% schneller, direkter (von Tür zu Tür ohne Umstiege) und hundefreundlicher (Schlafen im Kofferraum statt Gedränge zwischen Zweibeinerbeinen) — dennoch will ich unbedingt mit der Bahn fahren.

Warum? Auch wenn die Planung ungleich aufwändiger ist (siehe oben), wird die Fahrt selbst umso entspannter. Damit das auch wirklich so ist, hatte ich eine Verbindung mit minimalen Umstiegen und großzügigem Verspätungspuffer ausgesucht sowie ein 1.-Klasse-Ticket eingeplant, um Luis unnötiges Gedränge zu ersparen.

Diese exotischen Anforderungen brachten mich, den Webshop der DB und die Bahnagentur an die Grenzen des Möglichen. Doch letzten Samstag hatte ich es endlich geschafft: Mit zwei Tickets in der Hand kehrte ich vom Bahnhof nach Hause zurück — wohlgelaunt und mit der Genugtuung, dass man der Deutschen Bahn mit sturer Hartnäckigkeit doch noch eine Bahnfahrt abringen kann.

Freude herrscht — nicht lange

DB-Verbindung

Das also war das triumphale Ergebnis meiner Hartnäckigkeit: Die Deutsche Bahn verspricht eine „angenehme Reise“ mit nur zwei Umstiegen und um kurz nach 3 Uhr bin ich am Ziel. Na also, geht doch!

SBB_Screenshot_Horb-Stans

Aus purer Vorfreude wollte ich meine tapfer erkämpfte Verbindung sofort in der SBB Mobile-App festhalten, weil ich diese in der Schweiz ohnehin intensiv nutzen werde. Gesagt, getan: Von Horb nach Stans, Abfahrt 11:00 Uhr und schon…

… war ich irritiert: Statt „viertel ab drüü“ sollte ich erst kurz vor vier ankommen — möglicherweise verursacht durch einen unerwarteten Zusatz-„Bommel“ auf der Strecke.

Dazu muss man wissen: SBB Mobile bereitet den zeitlichen Verlauf der Fahrt grafisch auf (sehr praktisch!), dabei entspricht jeder „Bommel“ einem Umstieg. Der erste Bommel auf der Strecke zwar Zürich, er zweite vermutlich Luzern — aber warum war da noch einer, fast am Ziel?

Ein verdächtiger Bommel wird Gewissheit

SBB_Screenshot_Luzern-StansEin Klick und die Verwirrung war noch größer: Die SBB wollte mich in Hergiswil umsteigen lassen; zudem sah das Verkehrsmittel ab Luzern doch sehr verdächtig nach Bus aus.

„Lustig“, dachte ich, „dass die SBB statt meiner entspannten 1.-Klasse-Zugfahrt eine kleine Busreise vorschlägt.“ Nett, aber nicht mit Hund und einem randvoll gefüllten Mehrtagesrucksack. Also andere Verbindungen angeklickt, doch jede — wirklich jede — Fahrt ab Luzern war Bus statt Bahn. Was war da los?!

Langsam — ganz langsam — ahnte ich es. [Vielleicht kennt Ihr das Gefühl, wenn eine unangenehme Erkenntnis das Rückenmark hinaufzukriechen scheint, um nach einer gefühlten Ewigkeit im Gehirn und Bewusstsein anzukommen. So etwa fühlte es sich jetzt an.]

SBB_Screenshot_BE

Der nächste Klick machte aus böser Vorahnung Gewissheit; das merkwürdige BE zwischen Luzern und Hergiswil bedeutet „Bahnersatz“. In Deutschland ist dergleichen als SEV oder „Schienenersatzverkehr“ gefürchtet: Bei gesperrter Bahnstrecke werden die Reisende in Busse gepfercht, die zuweilen völlig überfüllt und chaotisch organisiert sind.

Nicht witzig, Deutsche Bahn

Fassen wir zusammen: Ich habe Zeit und Geld und viel Durchhaltevermögen investiert, um mit Hund angenehm und ohne Gedränge zu reisen. Nach ca. 1 bis 2 Stunden Online-Recherche, -Gebastel und -Kapitalation sowie einer halben Stunde in der DB-Agentur hatte ich der Deutschen Bahn endlich Fahrkarten abgetrotzt — für eine Zugverbindung, die es gar nicht gibt.

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Echter Hund mit echtem Ticket, doch der Zug ist DB-Phantasie (Symbolbild)

Stattdessen darf ich mich, Hund und einen randvollen Mehrtagesrucksack zur Freitag-Nachmittags-Rushhour einen Bus quetschen. Genau das, was ich mit Zeit und Geld und viel Durchhaltevermögen vermeiden wollte.

Gelungene Schlusspointe? Für die Deutsche Bahn vielleicht schon, für mich aber gar nicht witzig.

[Nur am Rande: Diese Streckensperrung ist mindestens seit Anfang Dezember kommuniziert (» Totalsperre vom 18. März bis 14. April 2019), bei der DB aber auch zwei Monate später nicht angekommen. Wahrscheinlich ist die Info wegen Weichen- oder Signalstörung irgendwo liegen geblieben.]

5 Kommentare zu „Die Schlusspointe: Echte Tickets für Fake-Verbindung“

  1. Das tut mir aber Leid für Euch Zwei, das Ticket 🎫 ist trotzdem gültig obwohl der Bahn-Ersatzbus fährt. Nimm einfach einen kleineren Rucksack 🎒 mit, damit erleichterst du dir viel Traglast. Jedes Gramm zählt. 👣😎

      1. Ich bin da nicht so erfahren. Aber beim letzten Mal am Briezersee kam mehr als ein Bus um all die Leute mitzunehmen. Die SBB hat ja Erfahrung wie viele Leute etwa unterwegs sind. Meistens klappt es gut.

      2. Die DB ist immer mal wieder überrascht, dass im Zug mehr Leute sitzen als in einen Bus passen. Vielleicht verstecken sie die BE- Haltestellen deshalb so gut, damit nicht alle mitfahren wollen 🙂

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