Via Jacobi 2021: Die Packliste (mit Hund)

Noch eine Woche bis zum Start, deshalb war es heute höchste Zeit, die Packliste auf den aktuellen Stand zu bringen und abzuarbeiten. Die (ungenutzte) Liste von März 2020 konnte weitgehend recycelt werden und musste nur um die Teile erleichtert werden, die im Hochsommer am Genfersee definitiv unnötig sein werden. Doch das vermeintlich ersparte Gewicht entpuppte sich als böser Denkfehler…

»Wie praktisch«, dachte ich, »im Juli ist es wärmer als März, also kann ich mir einigen Ballast (Mütze, Langärmel…) sparen und muss weniger Gewicht auf dem Rücken tragen«. Mit jedem virtuell weggelassenen Stück zeigte meine Packlisten-Excel-Tabelle immer weniger Gesamtgewicht auf dem Rücken an. So machen Packlisten Spaß….

… bis ich mich vor meinem geistige Auge durch die sonnigen Weinberge maschieren sah. Natürlich nicht mit Regenjacke, Flies und Hut am Leib, sondern (für Notfälle) im Rucksack. Zusätzlich noch erhöhte Wasserrationen für Mensch und Hund, eine extra Kopfbedeckung als Sonnenschutz sowie 4 Zusatzportionen Hundefutter für 2 Zusatztage.

Erkenntnisgewinn: Zu jeder beliebigen Jahreszeit ist der Rucksack zu schwer und muss um jedes Gramm unnötigen Ballasts gerungen werden. Macht nichts, denn ohne dieses Gewichtsgefeilsche würde mir fast etwas fehlen…

Im ultraleichten Einkaufsrausch….

Um meinen Denkfehler wettzumachen, befiel mich das traditionelle UltraLight-Vorbereitungs-Fieber und trieb mich in den Shop der Bergfreunde.

Die haben nämlich für (fast) jeden Artikel das Gewicht angegeben und man kann sogar nach Gewicht filtern — während man bei vielen anderen Seiten lang und vergeblich nach einer Grammangabe sucht. Zudem sind sie fast um die Ecke und keine steuermogelnde Datenkrake…

Leine (für Wäsche, nicht für Luis)

»Wäsche ist zum Waschen da« und wer das unterwegs regelmäßig macht, kennt die Herausforderung, die nassen Klamotten im Hotelzimmer so freischwebend aufzuhängen, dass sie über Nacht trocknen können.

Nicht jeder macht es sich mit dem Waschen und Trocknen so einfach wie gewisse Mitwanderer.

Zum Glück, zufällig und nebenbei hat mir eine Camping-erfahrene Kollegin erzählt, dass es dafür eine Lösung gibt.

Ergebnis: 20 Gramm für 3 1/2 Meter Wäscheleine.

Handtücher Hundtücher

Handtücher mitschleppen?

Nicht für mich, sondern für Luis.

Genauer: Nicht für Luis, sondern um sein Schlafplatz vor exzessiver Behaarung und den Boden vor Trinknapffeuchtigkeit zu schützen. Man will ja, dass es auch für nachfolgende Wanderer Unterkünfte mit »Haustier erlaubt«– gibt (in der Zielregion eher »Animaux domestiques admis«).

Dieses heimlich aufgenommene Überwachungsvideo zeigt, wie gut das funktioniert. (So lange ich nicht den Raum verlasse, zum Bespiel weil ich frühstücken möchte…)

Deshalb schleppte ich bisher seit Jahr und Tag 300+x Gramm Mikrofaser-Handtücher mit. Doch dank »UltraLight Beach Towel« und »Airlite Towel« nicht mehr lange.

Ergebnis: Ab sofort kann ich mit 215 Gramm über 2 Quadratmeter abdecken — das sind 50% mehr Fläche bei einem Drittel weniger Gewicht.

Sommerfjäll statt Winterfjäll

Genug an Luis (und Unterkünfte) gedacht: Jetzt wurde der Filter auf »bis 400 Gramm« gestellt und für mich nach einer Treckinghose gesucht. Zu meiner Freude fand ich ein »Sommermodell« jenes Herstellers, mit dem ich seit Jahren gut unterwegs bin. Nach 100 Kilometer am Stück weiß man nämlich sehr gut, wer Nähte sauber vernäht (bzw. wer nicht).

Ergebnis: Während Luis zur Zeit so langsam sein Sommerfell bekommt, bekomme ich also meine Sommer-Fjäll.. Die/das ist nicht nur kühler, sondern auch fast 200 Gramm leichter als die/das Winter-Fjäll. Und dank ab-ZIP-barer Beine erspare ich mir weiteren Ballast in Form einer kurzen Hose.

Ultraleichter Fehlkauf

Bisher hatte ich gewichtshalber auf einen Tagesrucksack verzichtet, aber oft vermisst: Wenn ich mehrmals am selben Ort übernachte, muss ich für die Tagestouren den Großrucksack komplett ausleeren und als fast leeren Sack durch die Gegend tragen.

Wie gut, dass es Ultralight-Daypacks gibt.

Noch besser, dass ich ihn auf einem abendlichen Gassigang einem kurzen Praxistest unterzogen habe.

Testurteil: Für mich völlig ungeeignet. Die Tragegurte sind dort verschwenderisch breit, wo sie in freien Luft schweben — und fingerschmal, wo sie am Körper liegen. Das war schon nach ein paar Minuten ein »einschneidendes« Erlebnis (und für Luis ein sehr kurzer Gassigang).

Außerdem: Das Ding war knapp 20% schwerer war als angegeben — in absoluten Zahlen zwar nur ein paar Gramm, aber für jemand, der sich »Ultralight« nennt, ein deutlicher Makel.

Behalten oder Zurückschicken? Immerhin ist der UltraLight doch erheblich leichter als mein altbewährter Eastpak, der mich seit Jahren durch die Welt begleitet.

Äh, nein.

Nicht wirklich.

Denn zu meiner Überraschung ist mein Uralt-Eastpak nur gute 100 Gramm schwerer als der scheinbar ultraleichte HighTech-Daypack — hat aber deutlich mehr Volumen und Tragekomfort.

Hat einen Ehrenplatz im Daypack-Ranking verdient: Der gute, alte Eastpak

Erkenntnisgewinn: Nicht jeder Hipsterkram ist wirklich ein Fortschritt gegenüber »alt aber bezahlt«…

Gut behütet oder: Die Qual der Hutwahl

Noch offen ist die Wahl der Kopfbedeckung:

  • Mein schwarzer Hut behütet mich seit vielen 100 Kilometern vor Regen, Schnee und Winter-/Frühjahr-/Herbstsonne. Aber: Mit größeren Schneefällen ist im Juli am Genfersee wohl eher nicht zu rechnen und als sommerlicher Sommersonnenschutz ist das dicke, schwarze (!) Ding zu warm.
Bewährter Schutz gegen Schnee, Regen oder Sonne. An manchen Tagen sogar gegen alle drei.
  • Als sommerliche Alternative habe ich mir kurzerhand eine weiße Basecap beschafft. Witziger Zufall: Sie trägt eine überraschend passende Werbungaufschrift ;-). Aber: Die Ohren haben nichts davon und würden stundenlang in der Sonne brutzeln.
Nicht zu fassen, was es im Internet alles zu kaufen gibt…
  • Als Alternative zur Alternative hat mir die beste Ehefrau von allen (Gruss an E. Kishon (und natürlich an die beste Ehefrau von allen)) einen Sommerhut bestellt. Zwar noch etwas schwerer als der schwarze Allwetterhut, aber hell und „löchrig“ und damit gefühlt deutlich kühler.
Test test test….: Sommerhut bei Sonnenschein

Was tun? Drei Hüte am Genfersee spazieren führen? Zur Sicherheit auch noch die Wollmütze mitnehmen, die ich unnötig für die ausgefallene Via Jacobi 2020 gekauft hatte?

Ergebnis: Nein. Die Wetterprognosen werden entscheiden, welche Kopfbedeckung (und wieviel Gewicht) an den Lac Leman darf.

Regen-Zocken

Apropos Wetterprognosen: Zur weiteren Ballast-Ersparnis zocke ich und hoffe, dass es wenig regnet. Oder genau dann, wenn ich zufällig beim Znüni/Zmittag/Zvieri sitze (hat z.B. am Vierwalstättersee hervorragend geklappt, » Via Gottardo 1: Seelisberg — Erstfeld):

Taktisch kluges Znüni in Isleten: Draußen Regen und Sturm, drinnen Café und drei Schinken-Käse-Weggli

Durch meine eher kurzen Tagesetappen habe ich genügten Puffer, um Regenschauern zeitlich auszuweichen. Außerdem bin nie so weit im Nirgendwo, dass ich nicht kurzfristig iss Trockene flüchten könnte (um mir dort bspw. die Nässe von innen zuzuführen).

Ergebnis: Ich spare mir über Kilo Regenhose, -poncho und -jacke. Letztere wird durch ein leichteres Modell ersetzt, der Rest bleibt zu Hause. Dort waren sie auch bisher meistens, wenn ich sie gebraucht hätte…

Navi-Zocken

Mein gutes, altes Garmin Oregon hat mir seit Jahren treu gedient. Wie hier kurz vor dem Gotthardpass um mir zusagen, dass ich soeben die 2000er-Marke erreicht habe (» Via Gottardo 4: Andermatt — Gotthardpass):

Männer, die aufs Garmin starren. Man(n) will ja wissen, wann man 2000 Meter erklommen hat.

Bei den letzten Touren war es nur noch als »Backup« dabei, aber kaum genutzt. In den Bergen ist ein Backup vernünftig und sinnvoll — für die Strecke am Genfersee aber unnötiger Ballast:

  • Es gibt eine offizielle Wander-App (» https://www.schweizmobil.ch/de/app-schweizmobil-d.html) mit detailierten Topokarten und aktuellen Wanderwegen sowie Internet — überall und zuverlässig. (Ja, liebe deutsche Leser — sowas ist technisch möglich. Doch, wirklich. Nein, das liegt nicht an der Topographie. Ja, auch in der Schweiz gibt es Berge. Sogar mehr als in Deutschland.)
  • Man ist selten weiter als 1 Kilometer von der Zivilisation (und / oder der nächsten Bushaltestelle) entfernt.
  • Die Via Jacobi ist weitgehend idiotensicher ausgeschildert.
  • Falls doch mal nicht: So lange der See links und die Berge rechts sind, ist man auf dem richtigen Weg.

Selbst bei Ausfall sämtlicher Hilfsmittel müsste man sich also schon sehr anstrengen, um sich in besorgniserregender Weise zu verlaufen.

Ergebnis: Das Garmin darf sich zuhause erholen und ich spare mir an die 400 Gramm für Garmin, Ladegerät und Ersatzbatterien.

Zusätzliche Erleichterung (für mein Konto): Ich habe 20 CHF in ein Jahresabo von Schweizmobil Plus investiert, damit ich die Karten auch offline nutzen kann. Nicht weil ich der Internetverfügbarkeit misstraue — sondern um nicht ständig online sein zu müssen. Das schont den Akku, spart Datenvolumen und »Abschalten« ist ja ohnehin ein Motiv für solche Wanderwochen ;-).

Same procedure as last year…

Am Ende des ultraleichten Kaufrauschs und der ultraoptimierten Packliste ist das Ergebnis doch wieder »same procedure as every year«:

  • Das meiste hat sich bewährt.
  • Manches fliegt raus.
  • Ein paar Dinge kommen neu dazu.

Und auch wie »every year«: Luis‘ Anteil am Gesamt-Rucksack-Gewicht bleibt konstant.

Hier nicht abgebildet: Der Träger der Last (100% ich).

Ihm kann’s egal sein. Er lässt ja tragen.

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