Archiv der Kategorie: Via Jacobi mit Hund 2017

Via Jacobi mit Hund: Wenn’s am schönsten ist…

Zwischen Einsiedeln und Schwyz hatte mich der Weg so weit: Ich musste länger überlegen, welcher Wochentag war — und ich bekam den leisen Hauch einer Ahnung, wie es sich anfühlen könnte, wochen- und monatelang nach Santiago de Compostela unterwegs zu sein. Woran lag es? An der Landschaft, an der zurückgelegten Strecke, am „Mini-Erfahrungstausch“ mit den beiden Via-Jacobi-Gängern, an der Erkenntnis „El Camino provides“?

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Via Jacobi mit Hund 5: Einsiedeln — Brunnen

Konnte es nach dem gestrigen Tag noch besser werden? Ja, es konnte.

Vor dem Frühstück nahm ich mir noch mal Zeit für einen Besuch in der Klosterkirche Einsiedeln; es war ergreifend: Unsichtbare Mönche füllten die riesige Kirchenhalle mit ihren tiefen Stimmen.


Nach schnellem Frühstück (mit Klosterblick) brachen wir kurz vor 8 Richtung Alpthal auf. Es war früh, es war frisch und es war kalt: Die Sonne hatte sich noch nicht auf der ganzen Strecke hinter den Bergen hervorgetraut.

 

Hinter Alpthal war dann Schluss mit kalt und lustig. Der Weg knickte um 90° vom Talverlauf ab und führte schnurstracks steil nach oben.

  • Vorteil 1: Man hat es schnell hinter sich.
  • Vorteil 2: Steigungen unter 20% kommen gerade zu flach vor

Oben grüßten uns dann Grosser und Kleiner Mythen auf gefühlter Augenhöhe — und ein Schild, das auf die geöffnete Gadäbeiz hinwies. Von Paules elCamino Hike waren wir vorgewarnt, dass das Gasthaus Haggenegg auf der Passhöhe geschlossen Win würde — deshalb ließen wir uns die Beiz nicht entgehen. Sensationelle Lage, sensationelle Aussicht und eine sensationelle, frisch gegrillte Whisky-Bratwurst (Whisky-Bratwurst hier).


10 Minuten nach Bratwurst und Aussicht erreichten wir dann den Pass Haggenegg, wo wir uns über ein weiteres großartiges Panorama freuen konnten: Unter uns lag der Vierwaldstättersee. Hier gönnte ich mir als Dessert die Reste des Käses aus Fischingen, der nach zweieinhalb Tagen im sonnenverwöhnten Rucksack eine perfekte Konsistenz zum Raclette-Schaben gehabt hätte.


Heute haben wir zum ersten Mal echte Pilger getroffen:

  • Ein knapp 80-Jähriger, der die Via Jacobi ab Kreuzlingen durch die ganze Schweiz in einzelnen Tagesetappen absolviert.
  • Eine ältere Dame, die seit Mitte Januar auf dem Rückweg (!) von Santiago de Compostela nach Bayern ist. So wie die früheren Pilger, für die Santiago nicht das Ende eines One-Way-Trips mit Rückflugticket war, sondern erst die Hälfte des Weges.

Respekt!

Gedankenverloren ging es abwärts mit uns, nur unterbrochen durch Luis‘ Herumtollen in den letzten Schneefeldern:

 

Nach anstrengenden 100 Minuten Abstieg und etwa 1000 Höhenmeter tiefer hatten wir Schwyz erreicht. Hier war offizielles Etappenziel, wir wollten aber weiter nach Brunnen.


Wie in den Etappen zuvor zogen sich die letzten 5 km des Tages wie Kaugummi. Komischerweise ist das immer so, egal wie lang die Tagesstrecke ist…


Motiviert hat uns letztendlich die Aussicht auf das letzte Highlight des Tages: Da ich am Vortag mit dem Essen ziemlich billig davon gekommen bin (für schweizer Verhältnisse), habe ich die eingesparten Stutz in ein Zimmer mit Seeblick investiert. Die Rendite ist jeden Rappen wert.

 

Zahlen, Daten, Fakten

  • Tagesbilanz: 25,6 Kilometer, 873 Höhenmeter, 8,7 Stunden (davon mindestens 1 in der Gadäbeiz und am Haggenegg)
  • Seit Konstanz: 122,6 Kilometer, 4734 Höhenmeter, 38 Stunden

Highlights

  1. Nochmal Kloster Einsiedeln von innen
  2. Whisky-Bratwurst in Angesicht der Mythen
  3. Herumtollen im Schnee (Luis‘ Highlight)
  4. Futternapf mit Seeblick

Ausblick für morgen

Der Ausblick wird auch morgen den Vierwaldstettersee zeigen, der heute vor dem Schließen der Vorhänge noch da war ;-).

Via Jacobi mit Hund 4: Jona — Einsiedeln

Zum ersten Mal eine Übernachtung ohne Ruhetag. Das hieß: Ein gutes Frühstück und dann ab mit der SBB nach Jona.

Vom Bahnhof marschierten wir locker zum Schloss Rapperswil und genossen das erste Zürisee-Panorama. Dann ging es durch die beeindruckende Altstadt zum Hafen — für ein erstes Webcam-Foto.

Anschließend wartete auf dem tiefsten Punkt der heutigen Etappe der Höhepunkt des Tages. (Ich konnte ja nicht ahnen, dass es noch besser kommen würde.) Der Pilgersteg über den Zürichsee! Die längs verlegten Planken schaffen interessante Perspektiven und ziehen den Steggänger geradezu über den See. Trotzdem nutzte Luis einen kurzen Fotostopp für ein entspanntes Sonnenbad…

In Pfäffikon stärkten wir uns mit einem Powerriegel aka Nussstängli, denn ein Wanderführer beschrieb den Weg zum Etzelpass als „teilweise stark ansteigend“. Das war nicht zu viel versprochen. Mit Hörnli und Eilmarsch von gestern in den Knochen und vollem Gepäck auf dem Rücken war es eine ziemliche Herausforderung. Zum Glück konnten wir uns meist in einem kühlen schattigen Wald nach oben arbeiten.

Kurz vor dem Etzelpass wurden wir übermütig und von einer Infotafel auf eine neue Idee gebracht: Statt direkt zum Pass oder — alternativ — über das anstrengende Stöcklichrüz wollten wir den Etzel erklimmern. Nur 150 zusätzliche Höhenmeter und hoffentlich ein toller Ausblick.

Was uns dort erwartete, hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet: Ein Berggasthof ohne Ruhetag (!) mit herrlicher Sonnenterrasse, vor der sich die Region um Einsiedeln und ein grandioses Alpenpanorama wie in einem Amphitheater präsentieren. Dazu noch ein Bier aus Einsiedel und Kässpätzle – besser geht’s nicht!

Wir konnten uns kaum satt sehen, doch wir mussten. Schnell waren wir am Etzelpass, statteten der Kapelle St. Meinrad einen kurzen Besuch ab und marschierten gemütlich über die Teufelsbrücke zum Tagesziel Einsiedeln.

Ein (wegen draußen wartendem Luis leider nur ganz kurzer) Besuch der Klosterkirche war atemberaubend. Nach dem obligatorischen Webcam-Bild

…gab’s noch eine freudige Überraschung zum Tagesausklang: Mein Hotelzimmer liegt direkt am Klosterplatz und ich mit Blick auf die Klosterkirche im Bett.

Ein rundum perfekter Tag. Ich bin gespannt, ob der morgige Tag das noch toppen kann.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Tagesbilanz: 20,9 Kilometer, 1307 Höhenmeter, 8,3 Stunden (davon ½ auf den Pilgersteg und 1 auf dem Etzel)
  • Seit Konstanz: 97 Kilometer, 3861 Höhenmeter, 29,3 Stunden

Highlights

  1. Pilgersteg bei Rapperswil
  2. Umweg zum Etzel mit grandioser Panorama-Belohnung
  3. Klosterkirche Eisiedeln – leider nur ganz kurz von innen
  4. Klosterkirche Einsiedeln – von außen direkt vom Bett

Ausblick für morgen

Nach einem mutmaßlich bequemen Anfang geht es in der zweiten Hälfte auf den höchsten Punkt der Gesamtstrecke. Dabei passieren wir Großen und Kleinen Mythen, auf die wir bereits heute aus der Ferne einen Blick erhaschen durften. 1000 Meter tiefer erwartet uns der Vierwaldstättersee, wo wir in Brunnen bereits unsere Unterkunft gebucht haben.

Skandal! Luis enthüllt Jakobsweg-Schwindel

„Jakob“ ist der Name des freundlichen Saitenwurstspenders, durch den jeder Verwandtschaftsbesuch zum Highlight für Luis wird:

Groß war deshalb Luis‘ Begeisterung über „eine Woche auf dem Jakobsweg“, die Herrchen wichtigtuerisch angekündigt hatte. Die Verbindung Jakob = Saitenwürste ist fest in Luis‘ Synapsen eingebrannt, der Jakobsweg sah in seiner Vorstellung ungefähr so aus:

Jakobsweg-a-la-Luis
So hatte sich Luis den Jakobsweg vorgestellt

Doch jetzt ist Luis einem Skandal auf der Fährte: Drei Tage, vierzig Kilometer, 200.000 Schritte — und weder Jakob in Sicht noch Saitenwürste am Weg…

Hallo? Wo ist Jakob?? Wo sind die Würste???

Der ganze Jakobsweg ist doch ein riesiger Schwindel! FAKE WURST! LÜGENGASSI!

Via Jacobi mit Hund 2: Affeltrangen — Fischingen

Der Tag begann mit einem ‚kleinen‘ Abstecher nach Konstanz, um unser Auto aus seinem aus seiner misslichen Parksituation zu befreien. Mit der (pünktlichen!) SBB hin, per PKW wieder zurück nach Affeltrangen. Mit frischen Backwaren vom örtlichen Bäcker konnten wir uns dann um 9:30 Uhr auf dem Weg machen.

 

Da die heutige Etappe ziemlich kurz war, nahmen wir es locker und gemütlich: Ein Foto hier, eine Pause da… Dergestalt trödelnd erreichten wir St. Margarethen, das neben einer sehenswerten Kapelle auch einen gut bestückten Hofladen zu bieten hat. Noch besser wat ein wirklich kleines Mini-Lädeli mit ca 400 Quadratzentimeter Verkaufsfläche, dessen Wandergüezli wir nicht widerstehen konnten.


In Sirnach wollte ich unbedingt die Webcam von Hubiwetter besuchen, die ich zur Vorbereitung regelmäßig konsultiert hatte. Die lag zwar mehr als einen Kilometer abseits des Jakobswegs,  — aber egal, ich hatte es ja nicht eilig.


Um nicht den gleichen Weg zurück zu melden müssen wählte ich einen „alternativen Jakobsweg“ nach Fischingen: Nicht unten im geschäftigen Tal, sondern angenehmer Halbhöhenlage – eins mit mir, Hund und Natur. Die zusätzlichen Höhenmeter verbuchte ich als kleines Bergtraining für den morgigen Hörmli-Aufstieg, weil der Rest des heutigem Tages ziemlich flach sein würde. Dachte ich.

Falsch gedacht, denn vor Oberwangen ging es kurz in den Wald hinein und hinauf – zum Glück angenehm kühl. In Oberwangen selbst war es natürlich Ehrensache, die Treppenstufe zur Martinskapelle zu erklimmen.

 

Doch danach ging es erst richtig los und hoch: Höhenmeter um Höhenmeter stieg der Weg — ziemlich anstrengend, wenn man mit einer topfebenen Strecke gerechnet hat… Belohnung: Ein Waldwanderweg, wie er im bzw. in der Buche steht.

 

Doch dann: Land Fisch Kloster in Sicht!

Nichts wie hin, denn das klosternahe Hotel erwartete uns erst 1 3/4 Stunden später. Gut so, denn deshalb „mussten“ die Zeit im Garten des Kloster-Restaurants totschlagen und zur Tarnung ein Chäsplättli und ein Bier der Klosterbrauerei ordern…

 

Zum Glück macht das Restaurant um 17 Uhr zu, sonst hätte ich noch meinen „Termin“ am Hotel Sternen verpasst. Mit dem Glockenschlag standen wir auf dessen Matte und freuen uns jetzt über ein Zimmer mit „seitlichem“ Klosterblick.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Tagesbilanz: 19,7 Kilometer, 683 Höhenmeter, 6,3 Stunden (davon 1¾ im Klostergarten auf die Übernachtung warten 😉
  • Seit Konstanz: 45,2 Kilometer, 1373 Höhenmeter, 12,1 Stunden

Highlights

  1. Konstanzer Imperia im Sonnenaufgang
  2. Nuss-/Gemüse-/Wurstgipfeli vom Bäcker in Affeltrangen
  3. Minilädeli mit Leckerlis für zweibeinige Wanderer
  4. Klostergarten, Klosterbier und Klostersonne in Fischingen

Ausblick für morgen

Die morgige Etappe wird knackig 800 Höhenmeter und theoretisch 31 km. „Theoretisch“, weil das Ziel offiziell Rapperswil ist. Muss aber nicht sein, auch unterwegs gibt es mit viele Übernachtungsmöglichkeiten.

Damit wir flexibel und nach Lust und Laune starten können, habe ich das Frühstück vorsichtshalber abbestellt. Stattdessen werden wir uns im Fischinger Chäsegge eindecken, damit wir für ein artgerechtes Vesper auf dem Hörnli gerüstet sind 😉